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Nordallianz wartet auf Militärschläge der USA

In den Bergen nördlich von Kabul hallt das Echo von Raketenwerfern durchs Tal. Ermutigt von der Aussicht einer US-Militäraktion in Afghanistan versuchen Kämpfer der Nordallianz um den gestürzten Präsidenten Burhanuddin Rabbani, die zuletzt seit Monaten unveränderte Frontlinie in Richtung Kabul zu verschieben.

ap KABUL. Dies wird allerdings nicht einfach sein. Die Milizionäre des Taliban-Regimes haben in einem Tal, in dem am Donnerstag ihre Panzer nach Süden rasseln, den einen Berggipfel besetzt. Die Höhe auf der anderen Seite wird von Kämpfern der Nordallianz gehalten. Unten im Tal sitzen Frauen vor Zelten, Kamele suchen in dem kargem Land nach Nahrung.

In den vergangenen Tagen haben sich beide Seiten immer wieder sporadisch beschossen. Die Einheit der Nordallianz verfügt hier über Flugawehrgeschütze des Typs Schilka, Raketenwaffer und einige Panzer. Die Kämpfer sagen, die Frontlinie sei nur noch sechs Kilometer von Kabul entfernt. Sie geben sich entschlossen, den Krieg zu einem Ende zu führen.

Einer von ihnen ist Sober. Er sagt, dass er schon seit fünf Jahren gegen die Taliban kämpft. Damals habe er erst kurz zuvor seine erste Frau geheiratet, mit der er einen inzwischen vierjährigen Sohn hat. Vor vier Monaten ging der 23-Jährige eine Ehe mit einer zweiten Frau ein. Ihr Kochen und ihre Fürsorge fehlten im sehr, klagt Sober.

Die Oppositionskämpfer versorgen sich aus knappen Vorräten. Rund um die eigene Stellung legt Sober Bodenminen. "Aber nach dem Krieg will ich in ganz Afghanistan die Minen wegräumen", sagt der Milizionär.

Die Führung der Nordallianz erklärt, dass die Einnahme von Kabul gegenwärtig nicht ihr vorrangiges Ziel sei. "Wir warten auf die Militärschläge der Amerikaner", sagt Rachmat Ramasan vom Außenministerium der von den Taliban vor fünf Jahre aus Kabul vertriebenen Regierung. "Sobald sie beginnen, werden wir entscheiden, ob wir unsere Offensive gegen Kabul starten." Die Nomaden im Niemandsland schenken den Kämpfen in den Bergen kaum Beachtung. Sie kümmern sich um ihre Kinder und ihr Vieh. Nur von Zeit zu Zeit blicken sie zum Himmel und folgen dem dumpfen Donnern des Geschützfeuers.

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