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Nordkorea erklärt rätselhafte Explosion mit Bergsprengung

Nordkorea hat die riesige, mysteriöse Explosion im Norden des Landes vom Donnerstag mit einer Bergsprengung erklärt. Ein ganzer Berg sei für ein Wasserkraftprojekt weggesprengt worden.

dpa SEOUL/LONDON. Nordkorea hat die riesige, mysteriöse Explosion im Norden des Landes vom Donnerstag mit einer Bergsprengung erklärt. Ein ganzer Berg sei für ein Wasserkraftprojekt weggesprengt worden.

Das sagte Außenminister Paek Nam Sun am Montag dem britischen Außenstaatssekretär Bill Rammell bei dessen Besuch in Pjöngjang. Wie Rammell in einem BBC-Radiointerview sagte, soll westlichen Diplomaten ein Besuch des Sprengungsortes von diesem Dienstag an möglich sein. Berichte, bei der Explosion könne es sich um einen Atombombentest gehandelt haben, waren von Nordkorea zuvor als "Lügen" bezeichnet worden. Dem Nachbarland Südkorea warf Nordkorea eine "Verleumdungskampagne" vor.

Südkorea kündigte eine sorgfältige Analyse der nordkoreanischen Erklärung an. "Zu diesem Zeitpunkt können wir nichts mit Sicherheit sagen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul. Es gebe Anzeichen, dass sich mehr als eine Explosion ereignet habe. Die Regierung gehe allerdings weiter davon aus, dass es sich nicht um einen Nuklearwaffentest gehandelt habe. Auch Washington hatte einen solchen Test ausgeschlossen.

Die Explosion soll sich am Donnerstag, dem nordkoreanischen Nationalfeiertag, in der Provinz Ryanggang nahe der Grenze zu China ereignet haben. Auf Satellitenbildern sei eine riesige pilzförmige Rauchwolke zu sehen gewesen, berichteten südkoreanische Medien am Sonntag. Nach ihren Spekulationen könnte es sich in der gebirgigen Gegend um einen Unfall in einem unterirdischen Munitionsdepot oder einem Waffensilo gehandelt haben.

Südkorea werde sorgfältig überprüfen, ob die fragliche Gegend für ein Wasserkraftwerk geeignet sei, sagte Vereinigungsminister Chung Dong Young in Seoul. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte einen Experten, Bilder der Gegend ließen keine Flüsse erkennen.

Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur Kcna beschuldigte Südkorea, die "Geschichte über eine Explosion" erfunden zu haben, um damit die "Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit" auf umstrittene Nuklearexperimente im eigenen Land abzulenken. Südkorea hatte in diesem Monat eingeräumt, dass Wissenschaftler ohne Wissen der Regierung vor vier Jahren eine kleine Menge angereichertes Uran hergestellt sowie 1982 eine geringe Menge Plutonium gewonnen hätten. Seoul beteuerte, kein Atomwaffenprogramm zu haben.

Nordkorea wird seit Jahren verdächtigt, ein Atomprogramm zu militärischen Zwecken zu verfolgen. Die USA haben zusammen mit China, Russland, Japan und Südkorea in mehreren Verhandlungsrunden versucht, Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen - bislang ohne Erfolg. Japans Außenministerin Kawaguchi hat sich am Montag bei ihren Peking-Besuch optimistisch darüber geäußert, dass neue Atomgespräche mit Nordkorea möglicherweise doch noch wie geplant vor Ende des Monats stattfinden könnten.

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