Nordkorea: USA ausgeblendet
WM im Nirgendwo

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat für Nordkorea im Nirgendwo stattgefunden. Obwohl das staatliche Fernsehen des stalinistischen Landes Ausschnitte von 25 WM-Spielen gezeigt hat, wurde Gastgeber Südkorea zunächst mit keinem Wort erwähnt.

dpa SEOUL. Die Fußball-Weltmeisterschaft hat für Nordkorea im Nirgendwo stattgefunden. Obwohl das staatliche Fernsehen des stalinistischen Landes von 25 WM-Spielen Ausschnitte in einer Länge von 25 bis 55 Minuten gezeigt hat, wurde Gastgeber Südkorea zunächst mit keinem Wort erwähnt. "Hier sind die Berichte der Spiele der 17. FIFA - Weltmeisterschaft", sagte der TV-Kommentator in Pjöngjang fast jeden Tag. Nur bei der einstündigen Übertragung der Viertelfinal- Partie zwischen Südkorea und Italien (2:1) - alle drei Vorrunden- Begegnungen wurden zuvor völlig ignoriert - erwähnte der Norden den Erzfeind im Süden. Die TV-Bilder dürfen mit Wohlwollen der deutschen KirchMedia gratis in Nordkorea ausgestrahlt werden.

"Als Südkorea das Halbfinale erreicht hatte, konnte Nordkorea nicht mehr anders und musste das Spiel gegen Italien zeigen", sagte Prof. Suh Dong-Man von der Sanji University in Seoul der "Korea Times" (Dienstagausgabe). Das Aufeinandertreffen mit den Azzurri erinnere zudem an die glanzvollen Tage des nordkoreanischen Fußball: Bei der WM 1966 wurde Italien mit 1:0 besiegt. Seitdem blieb das von der Welt weitgehend abgeschottete Land den Wettbewerben des Weltverbandes FIFA fern.

Die Nordkoreaner verfolgen nach Angaben westlicher Beobachter die selektiven WM-Häppchen aus dem Nachbarland mit großer Begeisterung - und bekunden unter der Hand Respekt für die Leistung der Südkoreaner. "Das spricht sich herum wie ein Lauffeuer", berichtete ein Diplomat in Pjöngjang der dpa. "Die Nordkoreaner sind echt fußballbegeistert." Ausländer, die die Spiele über Satellit direkt sehen können, werden am nächsten Tag immer sofort gefragt, "wer wie gespielt hat", sagte der Botschafts-Angestellte. Wie die USA, die im Korea-Krieg auf Seiten des Südens standen, abgeschnitten haben, bliebe ihnen verborgen: Keine einzige der fünf Partien wurde im Norden gezeigt.

Dass Nordkoreas diktatorischer Machthaber Kim Jong Il überhaupt den indirekten Blick über den 38. Breitengrad, der am stärksten bewachten Grenze der Welt, zum WM-Geschehen erlaubt, wird schon als positives Zeichen bewertet. "Es wird für Nordkorea schwer werden, dem internationalen Sportaustausch mit dieser Übellaunigkeit weiter fern zu bleiben", meinte Experte Suh.

Erste praktische Schritte sind bereits getan. So wird Anfang September die Fußball-Auswahl Nordkoreas in Seoul zu einem Freundschaftsspiel erwartet. Die Nachbarn sind auch zu den Asien- Spielen (29. September bis 14. Oktober) in die südkoreanischen Hafenstadt Busan eingeladen. Eine Zusage gibt es dafür genauso wenig wie eine für das WM-Finale am Sonntag in Yokohama.

Dass Südkorea entlang der entmilitarisierten Zone den Norden über Lautsprecher mit der Radio-Live-Reportage vom Spiel Südkoreas gegen Spanien (5:3 im Elfmeterschießen) beschallte, wird die Antwort nicht einfacher machen. Außerdem hat Nordkorea ja selbst ein Sport-Ereignis der Superlative zu bieten: Das parallel laufenden Arirang-Festival in Pjöngjang, ein Gymnastik-Massenspektakel mit 100 000 Mitwirkenden, sei so erfolgreich, hieß es in einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhab, dass es bis zum 15. Juli verlängert wurde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%