Nordrhein-Westfalen und der Bund wollen Hauptlasten der Sanierung tragen
Babcock Borsig rennt die Zeit davon

Für den angeschlagenen Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer wird es eng. In den Verhandlungen zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen, den Gläubigerbanken und den Aktionären zeichnete sich bis Donnerstag Abend keine Einigung ab. Die Insolvenz ist kaum noch abzuwenden.

mjh/gil/uhl DÜSSELDORF/BERLIN. Die Rettung von Babcock Borsig ist weiter ungewiss. Auch wenige Stunden, bevor der zahlungsunfähige Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens hätte stellen müssen, deutete sich noch kein Durchbruch in den Verhandlungen über die Rettung des 111 Jahre alten Traditionskonzerns an.

Am Morgen hatte überraschend der Bund seine Bereitschaft erklärt, sich gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen an der Rettungsaktion für Babcock in Form einer Bürgschaft zu beteiligen. "Darüber ist sich die Bundesregierung einig", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums zum Handelsblatt.

Es gehe vor allem darum, den bei einer Insolvenz drohenden Verlust von 13 000 Arbeitsplätzen in Deutschland, 8 600 an Rhein und Ruhr zu vermeiden. Allerdings müsse Babcock die für Staatsbürgschaften geltenden Voraussetzungen erfüllen.

Mit dieser Zusage des Bundes setzte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) die Vertreter der privaten Banken unter Zugzwang, berichtet ein Verhandlungsteilnehmer. Clement rechnete den Bankenvertretern vor, dass die Bundesregierung und das Land zu Bürgschaften in Höhe von 350 Mill. Euro bereit seien und damit die Hälfte des gesamten Rettungspaket trügen. Maximal darf der Staat bei Unternehmenskrediten bis zu 80 % bürgen.

Insgesamt benötigt Babcock 700 Mill. Euro, um einen Neustart als reiner Anbieter von Energietechnik mit 2,5 Mrd. Euro Umsatz zu schaffen. Nach einem Konzept der Unternehmensberatung Roland Berger soll Babcock auf die Hälfte seiner aktuellen Größe schrumpfen.

Mit Ausnahme der WestLB hatten es die übrigen Kernbanken - Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, BHF-Bank und die Hypovereinsbank bislang strikt abgelehnt, diesen Neustart Babcocks mit neuen Krediten zu ermöglichen. Gestern zeigten sie erstmals Entgegenkommen.

Zudem erklärten die beiden Babcock-Aktionäre WestLB (8,5 %) und Tui (früher Preussag; 8,9 %) ihre Bereitschaft, an einer Kapitalerhöhung teilzunehmen, über die Babcock 120 bis 150 Mill. Euro zufließen sollen. Auch Babcock selbst leitet einen Sanierungsbeitrag. Das US-Geschäft, im wesentlichen handelt es sich hierbei um den Abhitzekesselhersteller Nem Vogt, wird an den US-Investor One Equity Partners verkauft.

Nem Vogt gehört zu den wenigen Perlen Babcocks. Das Unternehmen macht bei einem Umsatz von rund 1 Mrd. Euro einen ansprechenden Gewinn und gehört weltweit zu den drei führenden Anbietern für so genannte Gas- und Dampf-Kraftwerke. Der Verkauf dürfte rund 300 Mill. Euro in die Kassen bringen.

Den ganzen Tag über berieten die Bankenvertreter mit ihren Vorständen, welche Beteiligung sie einzugehen bereit seien. Zwischen Düsseldorf und Frankfurt liefen die Telefon heiß, auch Clement schaltete sich immer wieder als Vermittler ein.

Gegen Mittag hieß es, der Kreis der Kernbanken und Anteilseigner werde voraussichtlich am späten Nachmittag endgültig über ein Konzept abstimmen, das die WestLB am Morgen auf Basis der am Vortag eingebrachten Vorschläge und Ideen zusammen stellen ließ. Wenig später schien der Durchbruch nahe. Am frühen Nachmittag schätzte ein NRW-Regierungssprecher die Chancen auf eine Einigung auf 50:50. Wenige Stunden später hatte sich die Lage erneut gedreht. Eine für den Nachmittag geplante Pressekonferenz wurde ohne Angabe von Gründen kurzerhand abgesagt. Um 17 Uhr 35 hieß es aus der Staatskanzlei: "Babcock-Rettung wieder sehr schwierig".

Für den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Matthias Wissmann, wäre es fatal, jetzt den vielen tausend Beschäftigten den Eindruck zu vermitteln, die "gebende Hand des Bundeskanzlers" werde die Probleme im Unternehmen lösen. Der Fall Holzmann habe eindrücklich bestätigt, dass Bürgschaften nur ein Strohfeuer entfachten.

Die Hauptlast der finanziellen Risiken der Babcock-Sanierung trägt die öffentliche Hand.

Quelle: Handelsblatt

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