Nortel erwartet 19,2 Mrd. Dollar Verlust
Glasfaserindustrie treibt Börsen ins Minus

Die anhaltend schwachen Ausgaben der Telekom-Konzerne für neue Infrastruktur belasten zunehmend die Geschäftsentwicklung der Glasfaserindustrie.

bue DÜSSELDORF. Zwei der weltweit größten Glasfaserunternehmen, Nortel Networks und JDS Uniphase haben am Freitag Umsatz- und Gewinnwarnungen veröffentlicht und damit die Technologiewerte an den europäischen Börsen unter Druck gesetzt. Auch für den weltgrößten Hersteller von Glasfaserkabeln, Corning, erwartet die Investmentbank Merrill Lynch deutlich niedrigere Umsätze in den nächsten Quartalen. Der Technologiekonzern Siemens, der im Mai angekündigt hatte 5 500 Arbeitsplätze im Bereich Kommunikations-Netzwerke abbauen zu wollen, bekräftigte hingegen seine Gewinnprognose.

Nortel kündigt massiven Stellenabbau an

Der weltweit führende Hersteller von Glasfaserausrüstung für die Telekombranche, Nortel Networks, sagte für das zweite Quartal hohe Verluste voraus und kündigte einen massiven Stellenabbau an. Nortel teilte am Freitag vor Börsenbeginn in Toronto mit, das Unternehmen erwarte im zweiten Quartal einschließlich Sonderbelastungen einen Verlust von 19,2 Milliarden US-Dollar. Der Betriebsverlust werde 1,5 Milliarden Dollar betragen. Das Unternehmen wolle zusätzliche 10 000 Stellen abbauen.

JDS Uniphase erwartet 100 Millionen Dollar weniger Umsatz

Der Anbieter von faseroptischen Komponenten für Telekomnetze, die kanadische JDS Uniphase Corporation erwartet für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2000/2001 nur noch einen Umsatz von rund 600 Mill. Dollar (1,4 Mrd. DM). Bisher war ein Umsatz von 700 Mill. Dollar prognostiziert worden. Grund für die schlechteren Aussichten seien niedrigere Investitionen der Telekomunternehmen und Inventarabbau bei den Kunden.

Investmentbank sieht Ergebniseinbruch bei Corning

Merrill Lynch senkte ihr mittelfristiges Rating für den Hersteller von Glasfaserkabeln, Corning, auf "neutral" von vorher "akkumulieren". Die Herabstufung von Corning begründete die Investmentbank Merrill Lynch mit mittelfristig schlechten Aussichten. "Anhand unserer jüngsten Studien gehen wir davon aus, dass die Ergebnisse in Cornings bedeutendem Glasfasergeschäft über die nächsten Quartale hinweg sogar unter unseren niedrigsten Schätzungen bleiben werden", begründete Merrill-Lynch-Analyst Steven Fox die Herunterstufung der Aktie. Er gehe davon aus, dass sich der enorme Preisdruck auch auf die derzeit noch gesunden Märkte in Asien ausbreiten werde. Das Glasfasergeschäft trägt seinen Berechnungen zufolge bis zu einem Viertel zum Umsatz von Corning bei.

Händler: Prognosen liegen massiv unter den Erwartungen

Die Auswirkungen dieser Meldungen auf die Börsen war erheblich. Die JDS-Aktie fiel im nachbörslichen in New York auf ein neues 52-Wochen-Tief von 12,05 Dollar, nachdem sie die reguläre Sitzung an der Nasdaq 2,61 Prozent schwächer bei 13,81 Dollar beendet hatte. Der negative Einfluss setzte sich dann auch an den europäischen Börsen fort. "Die Nortel-Prognosen liegen massiv unter den Erwartungen ", kommentierte ein Händler. "Das haut den Markt runter." Negative Meldungen vom niederländischen Technologiekonzern Philips Electronics NV sorgten noch für eine Beschleunigung des Abwärtstrends. Der Konzern hatte für seine Chipsparte im zweiten Quartal Millionenverluste angekündigt und damit der Philips-Aktie zum Absturz gebracht.

Siemens hält an Gewinnprognose fest

Die Siemens AG hält trotz der Gewinnwarnung bei Nortel Networks an der eigenen Gewinnprognose fest. Wie der Technologiekonzern am Freitag in München mitteilte, seien auch keine weiteren Restrukturierungsmaßnahmen geplant.

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