Nortel Networks verliert im zweiten Quartal über 19 Milliarden Dollar
Netzausrüster: Noch kein Licht am Ende des Tunnels

Die Umsatz- und Gewinnwarnungen der einstigen Hoffnungsträger der "New Economy" häufen sich. Am Freitag vergangener Woche schlug die Meldung von Nortel Networks aus Brampton in der kanadischen Provinz Ontario sogar wie eine Bombe ein. Schwer vorstellbare 19,2 Milliarden US-Dollar Verlust müssen die noch vor kurzem so erfolgreichen Kanadier im zweiten Quartal ihres Geschäftsjahres verbuchen. Das ist, sieht man von einem speziellen Fall bei General Motors vor zehn Jahren einmal ab, der "größte gemeldete Verlust" eines Unternehmens. Bei GM handelte es sich damals um Umstellungsprobleme der unternehmensinternen Pensionkassen.

PALO ALTO. Ein Großteil der tiefroten Zahlen des kanadischen Netzausrüsters ist auf einmalige Sonderabschreibungen zurückzuführen. Doch auch aus dem operativen Geschäft stammen noch 1,5 Mrd. $ der enormen Verlustsumme. Als Teil eines umfangreichen Lösungsprogrammes sollen weitere 10 000 Mitarbeiter, damit dann 30 000 in Summe, entlassen werden. Zusätzlich sollen die Dividende gestrichen und unrentable Geschäftsbereiche geschlossen werden.

Die Katastrophenmeldung aus Kanada ist nur eine in einer Reihe von schlechten Nachrichten, mit denen die einstige Vorzeige- und Hoffnungsbranche seit Beginn dieses Jahres die Investoren heimsucht. Ebenfalls Ende vergangener Woche hatte die Nummer eins der Hersteller von Elektronikkomponenten, JDS Uniphase , seine Umsatzerwartungen für das laufenden Quartal nach weiter nach unten geschraubt.

Zusätzlich hat der ebenfalls in Kanada angesiedelte Betreiber eines Glasfasernetzes, 360networks, angekündigt, dass er die nächste Zinsrate seiner Kreditlinie nicht bezahlen kann und sich daher wahrscheinlich unter den Schutz des Insolvenzparagraphen begeben wird.

Gerade die Glasfaserspezialisten enttäuschen die Investoren besonders. Dabei wurden, wie die New York Times schreibt, in den vergangenen beiden Jahren 100 Millionen Meilen (160 Mill. km) Glasfaserstränge für etwa 35 Mrd. $ verlegt, um dem Internet eine schnelle Verbreitung zu ermöglichen. Das Problem, so Experten des Brokerhauses Salomon Smith Barney, sind derzeit die Anschlüsse an die schnellen Datenbahnen. Es sei zwar genügend Glasfaserkapazität in der Erde, aber angeblich nur fünf Prozent auch mit Lichtübertragung geschaltet, der Rest sei "dark fiber", wie die Fachleute sagen. Es sei so, als hätte man die Interstate- Autobahnen um New York um mehrere Spuren ausgebaut, während der Verkehr im Lincoln- und Holland- Tunnel feststeckt.

Nach Angaben von Howard E. Janzen vom Glasfaserspezialisten Williams Communications ist es wesentlich aufwendiger, die Lichtwellenübertragung in den Netzen auch zu schalten, und noch kostspieliger, sie notwendigerweise auch zum Endkunden zu bringen. Salomon Smith Barney rechnet hier für größere Unternehmen mit einer Summe von etwa einer halben Milliarde Dollar und einem Installationszeitraum von etwa 15 Monaten.

Netzausrüster Analyst Paul Sagawa von Stanford C. Bernstein sieht angesichts dieser Situation für Unternehmen wie Cisco
, Lucent und Nortel vorläufig kein Licht am Ende des Tunnels. Nach seiner Ansicht ist ein Hoffnungsschimmer erst im Jahr 2003 und eine Normalisierung dann 2004 zu erwarten.

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