Norweger stellen Girardellis Medallen-Rekord ein
Miller nach Kombinations-Gold zu Tränen gerührt

Bode Miller hat die erste Goldmedaille seiner Karriere gewonnen und ist nach dem Sieg in der Kombination auf dem besten Weg zum Superstar der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz. Die Norweger Lasse Kjus und Kjetil Andre Aamodt sicherten sich mit Silber und Bronze ihr jeweils elftes WM-Edelmetall und haben nun einen Platz in den alpinen Geschichtsbüchern als gemeinsame Rekordhalter mit Marc Girardelli (Luxemburg) sicher.

HB/dpa ST. MORITZ. US-Boy Miller siegte am Donnerstag in der knappsten Kombinations-Entscheidung bei einer WM in 3:18,41 Minuten mit 7/100 Sekunden vor Kjus (3:18,48). Titelverteidiger Aamodt hatte in 3:18,54 auch lediglich 0,13 Sekunden Rückstand.

"Ich bin hier, um große Dinge zu leisten. Ich will tolle Rennen zeigen und siegen", hatte Miller schon nach seinem zweiten Platz im Super-G am Sonntag weitere Erfolge versprochen. Nach dem Sieg kniete der sonst stets coole Miller im Zielraum nieder und konnte seine Tränen nicht verbergen. In dem typischen wilden Rodeo-Stil war der 25-Jährige zuvor nach einem für ihn relativ schlechten 17. Abfahrtsrang trotz fast drei Sekunden Rückstand im Slalom nach vorne gefahren und sicherte sich nach zwei Silbermedaillen in Kombination und Riesenslalom bei den Winterspielen 2002 und dem Vize-Rang am Sonntag endlich das ersehnte Gold.

"Ich war im vergangenen Jahr so nah dran an Gold, heute dachte ich nach der Abfahrt, ich hätte keine Chance mehr", erklärte Miller seine Emotionen. Mit dem vierten Edelmetall für die USA in St. Moritz bestätigte er nicht nur die überragende Form der Athleten aus Nordamerika, sondern zeigte auch, dass er in diesem Winter der wahrscheinlich kompletteste Skifahrer ist. Mit sechs Saisonsiegen ist der smarte Junge aus Franconia im US-Bundesstaat New Hampshire auch zum großen Herausforderer von Stephan Eberharter (Österreich) im Gesamtweltcup geworden.

Lasse Kjus versetzte mit seinem elften WM-Edelmetall wieder einmal die Ski-Welt in Staunen. Die gesamte Saison kämpfte der 32-Jährige aus Siggerud nach einem Materialwechsel mit einer schweren Formkrise. Nur bei der Kombination in Wengen konnte er sich als Dritter einen Podestplatz sichern. In der Abfahrt kam er nie unter die besten Zehn. Rechtzeitig zum Höhepunkt war der "Medaillenhamster" aber wieder da. "Er ist das größte Genie auf Ski", lobte ihn der deutsche Cheftrainer Martin Oßwald, der Kjus von 1996 bis 2000 betreut und 1998 zu zwei Olympia-Medaillen in Nagano geführt hatte.

Auch Kjetil Andre Aamodt kam in diesem Winter nur langsam in Schwung. Doch rechtzeitig zum Großereignis präsentierte er sich wieder in Bestform. Seinen Weltrekord baute er auf nun 18 Medaillen bei Großereignissen aus. Da konnte es der Wahl-Monegasse wohl verschmerzen, dass er sich nach drei WM-Siegen in der Kombination in Folge diesmal mit Bronze begnügen musste. "Es ist schön Erfolg zu haben, das macht immer Spaß", sagte er.

Für die deutschen Ski-Herren war der Arbeitstag schon früh vorbei. Max Rauffer (Leitzachtal) und Stefan Stankalla (Partenkirchen) verzichteten wie geplant auf einen Start im Slalom und nutzten die Abfahrt lediglich als Übungseinheit für die Königsdisziplin am Samstag. Rauffer kam bei dem Training unter Rennbedingungen auf den elften Rang, Stankalla wurde 24.

Der Endstand in der Kombinationswertung in der Übersicht

Das Ergebnis der Kombinationsabfahrt in der Übersicht

Das Ergebnis des Kombinationsslaloms in der Übersicht

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