Norwegischer Verlag scheitert in Deutschland
Gratiszeitung "20 Minuten Köln" gibt auf

Die deutschen Verlage sind erleichtert: Die Gratiszeitung "20 Minuten Köln" wildert nicht länger im Anzeigengeschäft. Der norwegische Verlag Schibstedt, der nach Köln in weiteren Städten Gratiszeitungen etablieren wollte, schließt eine Rückkehr nicht aus. Mit dem "Zeitungskrieg" schrieb der Verlag auf jeden Falll Pressegeschichte.

dpa/ap KÖLN. Nach rund eineinhalb Jahren wird die Gratiszeitung "20 Minuten Köln" eingestellt. An diesem Mittwoch erscheine die letzte Ausgabe, sagte Ekkehard Kuppel, Sprecher der Züricher "20 Minuten"-Holding am Dienstag . "Köln als Insellösung macht wirtschaftlich keinen Sinn", sagte Kuppel zur Begründung der Einstellung. Die mehr als 50 Mitarbeiter zählende Belegschaft sei am Dienstag informiert worden.

"Wir brauchen einen nationalen Ansatz, den wir aber noch nicht gefunden haben", sagte Kuppel. Mit einer Neugestaltung hatte der Schibsted Verlag im Frühjahr eine bundesweite Expansion von "20 Minuten Köln" vorbereitet. Es sei nicht ausgeschlossen, mittelfristig in mehreren Großstädten auf den deutschen Markt zurückzukehren. "Das braucht aber viel Geld und einen langen Atem", sagte Kuppel. Unmittelbare Pläne gebe es nicht.

Schibsted und die verbundenen Investoren gäben nur in Deutschland auf, sagte Kuppel. In der Schweiz sei das Blatt ausgesprochen erfolgreich und werde zum Jahresende schwarze Zahlen erreichen. Man arbeite zudem an einer Reihe Erfolg versprechender Projekte in anderen europäischen Ländern, wo "weniger verbissene Reaktionen" der etablierten Konkurrenz zu erwarten seien.

Im Zeitungskrieg griffen die Verlage ebenfalls zur Billigwaffe

Schibsted hatte mit der über Anzeigen finanzierten Tageszeitung "20 Minuten Köln" Ende 1999 den Markt aufgewirbelt und den so genannten Kölner Zeitungskrieg ausgelöst. Die Verlage M. DuMont Schauberg und Axel Springer ("Bild") versuchten erfolglos, das Blatt gerichtlich zu stoppen. Als Antwort auf "20 Minuten Köln" haben sie außerdem mit dem "Kölner Morgen" und "Köln extra" eigene kostenlose Abwehrblätter herausgegeben. Mit einer Auflage von insgesamt mehr als 300 000 werden die bundesweit in dieser Form einzigartigen Kölner Gratis-Zeitungen in Verteilerkästen an Bahnstationen und auf öffentlichen Plätzen angeboten.

Der Verlag M. DuMont Schauberg wertete den Rückzug als Bestätigung seiner bisherigen Haltung. "Es beweist, dass die Gratiszeitung ein wirtschaftlich problematisches Medium ist", sagte ein Sprecher. "Der Verlag M. DuMont Schauberg wird in Anbetracht der neuen Lage in den nächsten Wochen über seine Strategien in diesem Marktsegment entscheiden", sagte der Sprecher der Geschäftsführung Günter Kamissek. Die neue Situation wolle man nun zunächst prüfen.

Vor Gericht war die Gratiszeitung zunächst erfolgreich

Vor Gericht ging es unter anderem um die Frage, ob die Gratiszeitung wettbewerbswidrig ist. Die Gefährdung der Pressefreiheit in Köln durch das Schibsted-Blatt sei nicht ausreichend bewiesen, begründete das Oberlandesgericht Köln im Mai sein Urteil zu Gunsten der Gratiszeitung. DuMont Schauberg hatte ausgeführt, dass seine Boulevardzeitung "Express" sowie seine Abonnementzeitung "Kölner Stadt-Anzeiger" Auflagenverluste von sechs bis 20 % zu verzeichnen hätten. Im Juni hatte DuMont Schauberg eine Klage für ein bundesweites Verbot von kostenlos abgegebenen Tageszeitungen beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eingereicht.

Noch im April hatte "20 Minuten Köln" seinen Umfang auf 24 Seiten erweitert und verstärkte Multimedia-Aktivitäten angekündigt. Die zu einer Art zweiten Titelseite umgestaltete Rückseite sollte den Einstieg für eine "Entertainment-Welt" mit Partytipps, Flirt-Ecken und interaktiven Spielen bieten. Noch am Dienstag konnte man dort über Harrison Fords bevorstehenden 59. Geburtstag, die Flirt-Wünsche von Lesern und spanischem Stierkampf lesen. Für die geplante bundesweite Expansion wollte Schibsted neue Partner anwerben und neue Vertriebswege etwa über Schnellrestaurants prüfen.

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