Notenbankchef Alan Greenspan sieht noch Risiken für die Konjunktur
US-Quartalszahlen dämpfen Börsen-Euphorie

US-Firmen präsentieren ab Montag die schlechteste Bilanz seit 20 Jahren. Die Ausblicke dürften besser ausfallen. Doch für die Aktienmärkte gibt es große Risiken, sagen Strategen dem Handelsblatt.

NEW YORK/FRANKFURT. Knapp die Hälfte aller großen amerikanischen Unternehmen legt in dieser Woche ihre Ergebnisse für das letzte Quartal 2001 vor. Dabei werden sich Investoren vor allem auf die Ausblicke auf das laufende Jahr konzentrieren. "Ob eine Ergebniszahl die Erwartungen der Investoren-Gemeinde erfüllt hat oder nicht, interessiert uns nur am Rande", sagt Chefhändler Art Hogan vom Brokerhaus Jefferies, "wir wollen jetzt viel mehr wissen, wann und wo die Konjunkturerholung einsetzt."

In dieser Woche berichten Autohersteller wie Ford und General Motors, Technologie-Konzerne wie Microsoft, Intel und IBM, der Elektrokonzern General Electric ebenso ihre Quartalsergebnisse wie die Großbanken J.P.Morgan Chase und Citigroup. Analysten erwarten erneut einen Gewinnrückgang gegenüber dem Vorquartal um durchschnittlich 21 %, berichtet der Finanz-Informationsdienst First Call. Das wäre die schlechteste Bilanz seit zehn Jahren. Im Gesamtjahr 2001 dürfte der Einbruch bei 17 % und damit so schlecht wie 1982 liegen. Die Prognosen beruhen auf Umfragen bei den Unternehmen im marktbreiten amerikanischen S & P-500-Index.

Der Rückgang lag im Vorquartal auf ähnlicher Höhe und scheint sich zu stabilisieren. "Doch das will noch nicht viel heißen", sagt Chuck Hill von First Call. Der Vorjahreszeitraum sei nämlich schon sehr schwach gewesen. "Vielmehr stimmt optimistisch, dass die Zahl der Gewinnwarnungen gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich zurückgegangen ist", meint Hill.

Darüber hinaus deutet sich in den jüngsten Wirtschaftsdaten eine Erholung der US-Konjunktur an, so dass auch die Ertragswende im Unternehmenssektor näher rückt. Anlass zu dieser Hoffnung gaben zuletzt Prognosen der Technologieriesen Intel, Oracle und Cisco. Dennoch bleiben die Erwartungen an die Unternehmen verhalten. "Die Firmen werden versuchen, die Latte tief zu setzen, um später positiv zu überraschen", meint Kai Franke von der BHF-Bank.

Selbst wenn einige Ausblicke positiver als erwartet ausfallen, rechnen die meisten Investment-Strategen nicht mit weiter anziehenden Börsenkursen. "Anleger haben schon die erst für 2003 erwartete kräftige Erholung vorweggenommen. Jetzt könnte es vor allem im Technologie-Bereich zu Enttäuschungen kommen", meint Steven Wieting von Salomon Smith Barney. Auch Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) glaubt, dass die Börsenkurse der realen Entwicklung der Unternehmensgewinne bereits davongelaufen sind. Die hohen Bewertungen gäben derzeit keinerlei Anlass für Enthusiasmus. Angesichts einer ohnehin schwierigen Berichtssaison und derart ausgereizten Bewertungen drohten an den US-Börsen ganz erhebliche Risiken, lautet das Fazit der DKW-Experten.

Diese Gefahren sahen Anleger bereits am Freitag. Als Notenbankchef Alan Greenspan von "erheblichen Risiken" für die amerikanische Wirtschaft sprach und es als zu früh bezeichnete, um von einer Erholung zu sprechen, gaben US-Aktien auf breiter Front nach.

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