Notenbankchef Dai Xianglong lehnt eine Aufwertung der Landeswährung ab
China verteidigt die Wechselkurspolitik

Chinas Notenbankchef wehrt sich gegen Forderungen - vor allem der USA und Japans - den Renminbi aufzuwerten. Hintergrund des Streits, der zu eskalieren droht, sind Chinas Exportzuwächse.

mg PEKING. Chinas Notenbank-Gouverneur Dai Xianglong wehrte zur Wochenmitte in Peking Forderungen nach einer Aufwertung des Renminbi ab. Seit der Abwertung von Chinas Währung von 2,8 auf 8,7 Renmimbi zum US-Dollar im Jahr 1994 "ist der nominale Wechselkurs gegenüber dem Dollar um 5% gestiegen", insistiert Dai.

Die USA und Japan üben Druck auf China aus, seine Währung - die wegen der faktischen Bindung an den Greenback gegenüber anderen Währungen an Wert verliert und die Exporte fördert - aufzuwerten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) empfahl im jüngsten Halbjahresbericht über China eine Flexibilisierung des Wechselkursregimes: "Eine schrittweise Bewegung hin zu einer größeren Wechselkurs-Flexibilität würde China die Strukturreformen und seine Integration in die Weltwirtschaft erleichtern", hieß es dort. China hat stattliche Währungsreserven angehäuft, die Dai gestern in Peking für Ende November mit 274,6 Mrd. Dollar bezifferte. Das ist ein Zuwachs von über 62 Mrd. Dollar seit Jahresbeginn. Chinas Wirtschaft sei stark genug, eine Aufgabe der faktischen Dollarbindung durchzustehen, sagte vor wenigen Tagen C.H. Kwan, ein Ökonom beim Research Insitute of Economy, Trade and Industry in Tokio.

Doch Chinas Zentralregierung lässt sich nicht beirren. Dai Xianglong sagte zu Jahresbeginn, das Reich der Mitte werde nur in kleinen Schritten die Wechselkurs-Kontrollen lockern. Die Stabilität des Renminbi, der in einem winzigen Band zwischen 8,276 und 8,278 zum Dollar schwankt, bleibe ein zentrales Ziel. Im März dieses Jahres bekräftigte Ministerpräsident Zhu Rongji, der Wechselkurs bleibe in den kommenden fünf Jahren stabil. Auch sein wahrscheinlicher Nachfolger, Vizepremier Wen Jiabao - der Zhu voraussichtlich im März ablösen wird - sprach sich im Oktober lediglich für eine "schrittweise Öffnung" der Wechselkurskontrollen aus. Bislang ist der Renminbi nur im Zusammenhang mit Handelsgeschäften konvertibel. Analysten erwarten, dass eine volle Konvertibilität noch bis zu 15 Jahre dauern kann. Denn zuvor muss China seine Staatsbetriebe reformieren, die Banken rekapitalisieren und die Kapitalmärkte festigen.

Damit könnten Handelskonflikte zwischen China und seinen wichtigsten Wirtschaftspartnern drohen. Denn erst vor wenigen Tagen deuteten führende japanische Politiker wie etwa Finanzminister Masajuro Shiokawa an, sie bevorzugten einen schwächeren Yen. Dies setzt Peking zusätzlich unter Druck. Chinas Exporte legen derzeit so kräftig zu, dass sie nach Berechnungen des Experten bei Morgan Stanley Dean Witter in Hongkong, Andy Xie, schon 20% der weltweiten Exportzuwächse ausmachen.

Chinas Ausfuhren nahmen von Januar bis Oktober auf Jahresbasis um 21 % zu, vier Mal so schnell wie die globalen Exporte. Je mehr die Verbraucher in den Rezessions geplagten westlichen Ländern Jagd auf Schnäppchenware machen und damit Chinas Exportboom anheizen, desto mehr wird Chinas Wechselkurspolitik ins Visier geraten. "Deflationärer Druck in Japan und die Abwärts-Preispirale in den USA stehen prominent auf den Radarschirmen führender Politiker im Westen. Die begrenzte, aber wachsende Wahrnehmung, dass Chinas Exporte global die Preise unter Druck setzen, wird immer ernster genommen", sagt John Woods, Anleihespezialist bei der HSBC.

Chinas Renminbi beginnt derweil einen Siegeszug in den Nachbarländern. Beispielsweise kann damit in weiten Teilen der Mongolei bezahlt werden. Und die Regierung in Kambodscha hat die lokalen Händler dazu ermuntert, den Renminbi als Zahlungsmittel zu akzeptieren, um auf diese Weise mehr chinesische Touristen anzulocken. Offenbar will die Zentralregierung in Peking bald auch Regeln für den Offshore-Handel mit Renminbi in Hongkong veröffentlichen. In der früheren Kronkolonie machen Chinesen vom Festland schon ein Drittel aller 13 Millionen Besucher im Jahr aus. An den Grenzübergängen der Stadt tauschen sie im großen Stil Renminbi in harte Währung um und gehören längst zu Hongkongs zahlungskräftigen Touristen, obwohl chinesische Gesetze ihnen lediglich die Mitnahme von 6000 Renminbi pro Person, etwa 750 Euro, gestatten.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%