Notfallpläne für Banken und Börse
Finanzmärkte richten sich auf Anschläge ein

Sorgen über mögliche Terroranschläge islamischer Fundamentalisten drohen die Finanzmärkte schon bald wieder zu belasten. Viele Investmentstrategen meinen, dass die Anschlagsgefahr Konjunktur und Börsen mindestens ebenso schädigt wie der bevorstehende Irak-Krieg selbst.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. "Bei einem langen und globalen Krieg mit Terror-Gegenschlägen des Iraks oder fundamentalistischer Trittbrettfahrer sind die Kursrückgänge an den Aktienmärkten überhaupt nicht kalkulierbar", sagt Researchleiter Kai Franke von der ING BHF-Bank.

Bundesregierung, Finanzaufsicht, Bundesbank, Börse und die Banken haben sich bereits im Vorfeld des drohenden Krieges auf eine konzertierte Aktion geeinigt, um die Widerstandskraft des Finanzsektors gegen externe Schocks, vor allem gegen mögliche Terrorrisiken zu stärken. Die Pläne umfassen Notfallrechenzentren der Banken genauso wie Kommunikationspläne für den Ernstfall, aber auch Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung der Liquidität im Finanzsystem.

Die Verantwortlichen wollen Gefahren wie nach den Terrorangriffen auf die Vereinigten Staaten am 11. September 2001 eindämmen. Damals standen viele Banken durch den Ausfall von Börsen- und Abrechnungssystemen plötzlich vor umfangreichen offenen Positionen, für die sie Sicherheiten, oft in Milliardenhöhe, hinterlegen mussten. Deshalb müsse sichergestellt werden, dass Börsen und Finanzmärkte auch im Katastrophenfall so lange wie möglich offen blieben, fordern Regierungskreise.

Sicherung der Liquidität im Finanzsystem

Die Banken haben bereits Notfallrechenzentren ausgelagert, die ständig von der Finanzaufsicht überwacht werden. Neben diesen technischen Vorkehrungen geht es vor allem um die Sicherung der Liquidität im Finanzsystem. Die europäischen Währungshüter fühlen sich auf Katastrophenfälle gut vorbereitet. 15 Notenbanken und Aufsichtsbehörden haben sich auf einen Alarmplan geeinigt, um im Notfall rasch eingreifen zu können. Bei einer akuten Krise könnten die Zentralbanken die gesamte Palette der geldpolitischen Instrumente nutzen. Auch kurzfristige Zinssenkungen schließen die Geldpolitiker nicht aus. Zudem könnte einzelnen Instituten bei Liquiditätsproblemen mit Geld geholfen werden.

Ist der Finanzsektor also ausreichend vorbereitet, und sind nur die Aktienkurse an den Börsen in ständiger Gefahr? "Wir sollten die Terrorgefahr auch nicht überschätzen", sagt Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. Ihrer Meinung nach müssen die Märkte schon sehr lange mit der Gefahr möglicher Anschläge leben: "Nicht nur seit dem 11. September, auch während des Kalten Krieges gab es immer wieder Terroranschläge und die Angst davor. Trotzdem stürzten die Märkte nie nachhaltig ab", sagt Traud.

Auf einem ganz anderen Blatt steht der makabre Gedanke, dass sich mit Terror viel Geld verdienen lässt. Bei Händlern und Analysten gilt es als ausgemacht, dass Diktatoren wie Saddam Hussein oder El-Kaida-Führer Osama bin Laden sich im Vorfeld möglicher Anschläge an den Börsen positionieren und erfolgreich auf fallende Kurse spekulieren. "Auf diese Weise lassen sich in wenigen Minuten Terrorkosten in Millionenhöhe finanzieren", meint ein Frankfurter Investmentstratege.

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