Notfinanzierung für Konkursverfahren
Worldcom bereitet sich auf das Schlimmste vor

Ein Konkurs des angeschlagenen Telekom-Anbieters Worldcom rückt immer näher. Ein US-Gericht verhandelt darüber, ob die letzten Barreserven des Unternehmens eingefroren werden.

HB NEW YORK. Jed Rakoff könnte das Schicksal des wirtschaftlich angeschlagenen Telekomkonzerns Worldcom besiegeln: Der Richter am Bundesgericht für den südlichen Distrikt New Yorks hat darüber zu entscheiden, ob ein bereits an das Unternehmen gezahlter Kredit von 2,65 Mrd. $ auf Antrag der Gläubigerbanken eingefroren wird. Die Verhandlung dauerte gestern bei Redaktionsschluss an. Gibt Rakoff dem Antrag statt, muss Worldcom nach Einschätzung von Experten unmittelbar Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts beantragen. "Wenn wir das Geld nicht verwenden dürfen, können wir den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten", sagte Worldcom Anwalt Joseph Allerhand.

Mit einem Vermögensbestand von 104 Mrd. $ wäre Worldcom noch vor dem Energiehändler Enron (rund 50 Mrd. $ Vermögen) die mit Abstand größte Pleite in der US-Geschichte. Selbst der neue Worldcom-Chef John Sidgmore hält es für "sehr schwierig", einen Konkurs noch abzuwenden. Er arbeitet deshalb seit Tagen fieberhaft daran, Worldcom auf das Schlimmste vorzubereiten. Das Paradoxe an der aktuellen Situation: Ein Konkursverfahren wäre vermutlich die einzige Rettung für den mit mehr als 32 Mrd. $ hoch verschuldeten Konzern. Grund dafür sind die Besonderheiten des US-Konkursrechts, die einem zahlungsunfähigen Unternehmen Schutz vor den Gläubigern bieten. Die Firmen erhalten dadurch eine Galgenfrist, um mit eigenen oder fremden Kräften wieder auf die Beine zu kommen.

Sidgmore verhandelt derzeit mit den drei Finanzinstituten JP Morgan Chase, Citigoup und GE Capital, um eine so genannte detor-in-possession-(DIP) Finanzierung auf die Beine zustellen. Dabei soll es sich um ein Volumen von bis zu 2 Mrd. $ handeln. Diese Art der Krisenfinanzierung wird in der Regel vor oder während eines Konkursverfahrens gewährt, um dem zahlungsunfähigem Unternehmen den Weiterbetrieb zu ermöglichen. Der Reiz für die kreditgebenden Banken besteht darin, dass sie ihre Forderungen bei einer Liquidation vor allen anderen Gläubigern geltend machen können.

Den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, ist für Worldcom überlebenswichtig. Über die Datennetze des Unternehmens läuft ein großer Teil des Internet-Verkehrs. Der Konzern hat mehr als 20 Millionen Kunden, darunter auch Regierungsbehörden in den USA. Eine Geschäftsunterbrechung triebe die Kunden der Konkurrenz in die Arme. Das Bankenkonsortium mit der Deutschen Bank an der Spitze hat jedoch die Hoffnung auf eine Rettung aufgegeben.

Bis zum Wochenende hatten die 27 Gläubigerbanken versucht, ihre Forderungen mit einer Umfinanzierung zu retten. Die Verhandlungen über neue Kredite scheiterten jedoch, weil Worldcom sich weigerte, die Darlehen mit Vermögensteilen vor anderen Gläubigern abzusichern. Neben den Banken bangen noch jene Investoren um ihr Geld, die insgesamt rund 29 Mrd. $ in Worldcom-Anleihen gesteckt haben. Die Bonds werden derzeit nur noch mit 15 Cent für einen Dollar gehandelt, was in etwa die erwartete Rückzahlungsquote im Falle eines Konkurses widerspiegelt.

JP Morgan und Citigroup sind nun ausgeschert und versuchen es mit der DIP-Finanzierung auf eigene Faust. Der Alleingang der beiden US-Großbanken zusammen mit dem Finanzierungsspezialisten GE Capital kommt nicht überraschend. JP Morgan und Citigroup gelten als die Hausbanken von Worldcom und haben im vergangenen Jahr auch die Mega-Anleihe von fast 12 Mrd. $ für den Konzern auf den Markt gebracht.
Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%