Notierung in Paris geplant
Tiscali auf Schnäppchensuche

Während Marktführer T-Online auf Konsolidierung setzt, kauft der italienische Internetkonzern Tiscali einen Konkurrenten nach dem anderen. Jetzt will Konzernlenker Soru die Töchter unter einer Marke vereinen.

MAILAND. Der italienische Internetanbieter Tiscali SpA schließt auch nach den zahlreichen Firmenkäufen der vergangenen Monate weitere Übernahmen in Großbritannien und Deutschland nicht aus. "Wenn sich eine gute Gelegenheit bietet, werden wir weitere Konkurrenten übernehmen", kündigte Tiscali-Chef Renato Soru im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

"Nur wer möglichst viele Nutzer hat, kann im Internetgeschäft Kosteneinsparungen durch Größe realisieren" sagt Soru. Nach den Übernahmen der vergangenen Monate, die zu einem großen Teil durch Ausgabe neuer Aktien finanziert wurden, seien noch "rund eine Milliarden Euro in der Tiscali-Kasse", merkt Finanzvorstand Massimo Christofori an. Damit hätte der Internetanbieter ein Finanzpolster, wenn er wie geplant die Gewinnschwelle auf Ebitda-Basis (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) im letzten Quartal dieses Jahres erreicht. Für das kommende Jahr kündigt Soru einen positiven Cash-flow an. Zweifel daran haben die Analysten der Credit Suisse First Boston, die es für "wenig wahrscheinlich" halten, dass Tiscali bald die Verlustzone verlassen werde. Die Experten rechnen mit dem Erreichen der Gewinnschwelle erst Mitte 2002.

Im Unterschied zu den Konkurrenten T-Online und AOL setzt Tiscali-Chef Renato Soru bei seiner Expansion überwiegend auf Internetzugänge ohne feste Vertragsbindung, so genannte "Internet-by-Call" Angebote. Auch der von den beiden Konkurrenten angekündigte Strategiewechsel vom Technikdienstleister zum Medienhaus will Soru nicht nachvollziehen. "Inhalte sind sehr, sehr wichtig", sagt Soru, "aber wir wollen Inhalte von anderen über das Internet anbieten, nicht selbst Inhalte herstellen." Das von ihm geschaffenen Online-Imperium sei kein Medienunternehmen sondern "ein Telekommunikationskonzern neuen Typs", das auf der Grundlage von Internettechnologie sowohl Netzzugang, als auch Datendienste, Telefonie und E-Commerce anbieten wolle.

"Unser Geschäftsmodell ist eine Mischung aus einer starken Komponente der Zugangsgebühren, die ergänzt wird durch Werbeeinnahmen und E-Commerce Umsätze", sagte Soru im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dass viele Finanzanalysten dieses Geschäftsmodell als veraltet und wenig erfolgsversprechend ansehen, stört Soru wenig: "Wer groß genug ist und in allen wichtigen Märkten zu den Top drei Anbietern zählt, der kann die notwendigen Skaleneffekte nutzen". Tiscali verfügt nach etlichen Akquisitionen mittlerweile über eine Kundenbasis von über 7 Millionen aktiven Nutzern in 15 Ländern.

Das Unternehmen wird sich in wenigen Wochen auch am Wachstumssegment der Pariser Börse "Noveau Marché" listen lassen - bislang ist Tiscali ausschließlich am "Nuovo Mercato" der Börse Mailand notiert. An den Neuen Markt in Frankfurt wollen die Italiener hingegen in absehbarer Zeit nicht.

Das aggressive Wachstum der vergangenen Monate hat offenbar auch Analysten positiv gestimmt, die in der Vergangenheit den fehlenden Markteintritt in den wichtigen Internetmärkten Deutschland und Großbritannien kritisiert hatten. Die Experten der ABN Amro Bank empfehlen gar, T-Online gegen Tiscali-Papiere auszutauschen, da der italienische Konzern vergleichsweise unterbewertet sei.

Ab Sommer wollen die Italiener bei Markenstrategie und Produkten nachlegen und europaweit nur noch unter dem Namen Tiscali auftreten. "Marken wie World Online, Liberty Surf, Planet Interkom, oder Line One werden über kurz oder lang verschwinden", kündigte der Tiscali-Chef an. In den kommenden Monaten will der Konzern auch mit neuen Produkten in die Offensive: In Deutschland werden man bald einen DSL-Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet anbieten. Hinzu komme ein Breitband-Internetzugang über Satellit für private Nutzer. "Wir haben bereits eine Vereinbarung mit einem Satellitenbetreiber getroffen", sagt Tiscali-Chef Soru. Laut Branchenkreisen handelt es sich dabei um Eutelsat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%