Nouvelles Frontieres braucht Geld
Preussag zieht Zügel in Frankreich an

Preussag nimmt seine Beteiligung Nouvelles Frontieres (NF) kürzer an die Leine. Im nächsten Jahr will Preussag schneller als geplant die Mehrheit erreichen.

stw HANNOVER. Der Preussag-Konzern nimmt seine Beteiligung Nouvelles Frontieres (NF) kürzer an die Leine. Obwohl der Preussag AG aus Hannover bisher nur 13 % des größten französischen Reiseveranstalters gehören, hat Vorstandsmitglied Ralph Corsten dort das Ruder übernommen. Preussag wolle im nächsten Jahr schneller als geplant die Mehrheit erreichen, sagte Corsten dem Handelsblatt.

Nach zwei Verlustjahren brauche NF die ohnehin vereinbarten Kapitalspritzen dringender als erwartet, heißt es im Konzern. Preussag werde außerdem Gesellschafterdarlehen geben, die im nächsten Jahr in Unternehmensanteile umgewandelt würden und die Mehrheit bringen sollen, sagte Corsten. Dass Preussag formal erst 2002 die Führung übernehme, habe steuerliche Gründe. Der ursprüngliche Stufenplan, der eine 34-%-Beteiligung in 2002 und die Option auf die spätere Mehrheit vorsah, werde "in der Schrittfolge" geändert.

Förderung von Synergieprojekten

Corsten verbringt zurzeit jede zweite Woche in Paris, um die Synergieprojekte voran zu treiben. "Wir kommen schneller voran, als wir gedacht hatten", sagte Corsten, deswegen habe Preussag "Wege gesucht, sich mehr einzubringen". Es gebe aber organisatorisch "gewisse Dinge, die in der Umsetzung für ein patriarchalisch geführtes Unternehmen schwierig sind". Ein Branchenkenner sagt es deutlicher: Die NF-Arbeitsweise lehne sich immer noch an die Gründertage in der Studentenszene 1967 an. Gründer Jacques Maillot ist jetzt in den Aufsichtsrat gewechselt. Ein Problem sei die NF-Fluggesellschaft Corsair, so ein Mitglied des Preussag-Aufsichtsrats. Die Abstimmung von Reiseverkauf und Flugkapazität funktioniere nicht. Zudem seien die Maschinen relativ alt.

Zur Wirtschaftslage bei NF äußerte sich Corsten nur vage. Im vergangenen Jahr habe NF unter dem hohen Dollarkurs und steigenden Kerosinpreisen gelitten. Im Moment laufe das Geschäft "sehr erfreulich". Nach einem Bericht des französischen Magazins "Expansion" stieg der Umsatz im vergangenen Jahr zwar um ein Zehntel auf 1,3 Mrd. Euro, der Verlust nahm aber von 5,7 auf 19 Mill. Euro zu. Auch in diesem Jahr seien operativ "erhebliche Verluste" fällig, heißt es in Preussag-Kreisen.

Am Sinn der Akquisition zweifele er nicht, sagte Corsten. Die Lage des Unternehmens sei klar gewesen, denn NF habe nicht ohne Grund einen Partner gesucht. Ein Branchenkenner gibt ihm Recht: "Er war sich der Problematik bewusst." Den Preis der Akquisition hatte Preussag-Vorstandschef Michael Frenzel im Oktober lediglich als "sehr vernünftig" beschrieben, zumal ein großer Teil als Kapitalerhöhung im Unternehmen bleibe. Preussag will durch die Verbindung Synergieeffekte von 100 Mill. DM erzielen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%