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Novum: Spitzenplätze für Behinderte in Münchner Stadion

Wieder einmal steckt die Behinderung im Detail: Das Gitter vor den Rollstuhlfahrer-Plätzen stört, die Fußballfans stoßen mit den Füßen dagegen und können deshalb das Spielfeld nicht genug einsehen.

dpa MÜNCHEN. Wieder einmal steckt die Behinderung im Detail: Das Gitter vor den Rollstuhlfahrer-Plätzen stört, die Fußballfans stoßen mit den Füßen dagegen und können deshalb das Spielfeld nicht genug einsehen.

Doch kaum ist das Problem erkannt, wird bei der 340 Mill. Euro teuren neuen Allianz Arena in München nach einer Lösung gesucht. Vorzeigeprojekt München: Nach Überzeugung von Verantwortlichen und Behinderten wird das neue WM-Stadion zu einem Meilenstein bei der Integration behinderter Fußball-Fans.

"Hier werden wir Spitzenplätze haben", freut sich Dieter Richthammer von "Rollwagerl 93", einem Rollstuhlfahrerfanclub des FC Bayern München. "Hier wird gezeigt, was für Behinderte möglich ist. So etwas gab es bisher noch nicht." Im Frühjahr 2002, noch vor Baubeginn, gingen Behinderte und Verantwortliche das Ziel an, ein optimales Stadion auch für Behinderte zu schaffen. "Die Behinderten waren von der ersten Phase der Planung an beteiligt", sagt Bernd Rauch, Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion Gmbh.

Unter den 66 000 Plätzen in der Arena werden in der obersten Reihe des unteren Rangs 200 für Rollstuhlfahrer eingerichtet - und weitere für deren Begleiter. "140 Plätze sind sogar um zwei Treppen erhöht", bestätigt "Rollwagerl 93"-Vorsitzender Peter Czogalla. "Wenn man von einer Blickhöhe von 80 Zentimetern ausgeht, dann entsteht so eine Überblickhöhe von 1,85 Meter. Damit werden wir bestens im Bilde sein." Auch der anderswo oft beschwerliche Weg ins Stadion soll in München barrierefrei sein, alle wichtigen Stellen sind über Rampen erreichbar.

"Wir haben aus den Fehlern in anderen Stadien gelernt", sagt Czogalla über das Vorzeigeprojekt. "Ein Nachrüsten ist ja viel schwieriger." So wurden die Behinderten beim Neubau laut Ibo Harraz, Behinderterbeauftragter beim TSV 1 860 München, bei jeder Veränderung kontaktiert, um dann bei Mängeln schnell Abhilfe zu schaffen.

Auch Sehbehinderte und Blinde sind über den bundesweiten Fußball- Fanclub "Sehhunde" seit einem Jahr eingebunden. Das Live-Erlebnis stellt die meisten von ihnen oft noch immer vor fast unüberbrückbare Schwierigkeiten. "Ich kann nicht in ein Stadion mit 50 000 Menschen gehen und mit meinen Stock einfach auf die Tribüne tapsen", erklärt Nina Schweppe.

Doch selbst in Begleitung bleibt das Vergnügen oft begrenzt. Hören und empfinden können Blinde das Großereignis, doch das Wichtigste, das Spielgeschehen, muss ihnen ihr Begleiter vermitteln. "Es gibt aber noch immer in den Stadion sehbehinderte Plätze, die man uns und unseren Begleitern andrehen will", weiß die Hamburgerin Regine Hillmann. Abhilfe soll in der neuen Münchner Arena - ähnlich wie bisher in nur wenigen Stadien - die Einrichtung eines Kommentators schaffen, der bis zu 15 Blinden das Spielgeschehen voraussichtlich über Funk vermitteln soll.

"Wir kämpfen dafür, dass in jedem großen Stadion ein organisierter Kommentar Standard wird", sagt die 33 Jahre alte Schweppe. "Das wäre traumhaft." So sind die "Sehhunde" auch mit dem Organisationskomitee für die WM 2006 in Kontakt - das Großereignis könnte auch für Blinde und Rollstuhlfahrer zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden.

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