Nowotny, Daum und Leverkusen streiten Schwarzgeld-Vorwürfe ab – Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungsverfahren
„Kein Pfennig floss in einen dunklen Kanal“

Mit Dementis von allen Seiten haben die Hauptbeteiligten von in der angeblichen "Schwarzgeld-Affäre" auf die in der Süddeutschen Zeitung erhobenen Vorwürfe reagiert.

HB LEVERKUSEN/HAMBURG. Bayer 04 Leverkusen, sein ehemaliger Trainer Christoph Daum, Nationalspieler Jens Nowotny und DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder stritten am Wochenende ihre Beteiligung oder ihre Mitwisserschaft an finanziellen Unregelmäßigkeiten ab. Unterdessen bestätigte die Kölner Staatsanwaltschaft, dass sie nach einer anonymen Anzeige im Frühjahr ein Ermittlungsverfahren gegen Nowotny wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung eingeleitet habe.

Nowotny bezeichnete den Verdacht, dass bei seinem Wechsel 1996 vom Karlsruher SC nach Leverkusen zehn Millionen Mark als Handgeld unversteuert an Verwandte von ihm ausgezahlt worden seien, als lächerlich. "Sämtliche Einnahmen aus meinen Tätigkeiten sind rechtmäßig versteuert", versicherte der Abwehrspieler in einer Erklärung, die von seinem Onkel und Berater Georg Bischoff verbreitet wurde. "Es gibt nicht einen Pfennig, der in irgend einen dunklen Kanal geflossen ist", behauptete Bischoff.

Nowotny hatte in einer Presseerklärung am Samstag zunächst bestritten, dass gegen ihn ermittelt werde. Bayer Leverkusen, das sich wie Nowotny von den Aktivitäten der Staatsanwaltschaft überrascht zeigte, setzte sich ebenfalls schriftlich zur Wehr. "Sämtliche Zahlungen seitens Bayer 04 Leverkusen an Jens Nowotny sind nach den steuerlichen Vorgaben korrekt behandelt worden", teilte der Klub in einer Presseerklärung mit.

Die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Gehaltszahlungen von Daum während seiner Zeit in Leverkusen brachte der Hamburger Anwalt Matthias Prinz ins Rollen. Prinz hat Daum wegen ausstehender Honorare in sechsstelliger Höhe verklagt, die Verhandlung vor dem Hamburger Landgericht ist am 16. August. Als Daum vor zwei Jahren Bundestrainer werden sollte, hatte Prinz den Auftrag, den Vertragsentwurf mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) auszuarbeiten.

Dabei habe Daum über Schwarzgeldzahlungen geplaudert, heißt es in der von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Klageschrift: "Der Beklagte (Daum, d. Red.) erklärte, dass er bei Bayer Leverkusen einerseits offizielle Zahlungen erhalte, die ordnungsgemäß versteuert würden. Außerdem erhalte er über Auslandskonten Schwarzgeld, das nicht versteuert würde. Wenn man das Schwarzgeld auf einen zu versteuernden Bruttobetrag hochrechnen und zu dem offiziellen Gehalt addieren würde, käme man inklusive Prämien auf Gesamtbruttobezüge von neun Millionen Mark." Daum bestritt gegenüber dem ZDF die Vorwürfe.

Sein Anwalt Rolf Stankewitz sprach von einer "Rufmordkampagne" und kündigte rechtliche Schritte gegen Prinz an. Mit seiner Darstellung wolle Prinz nur den Streitwert im Prozess um sein Honorar in die Höhe treiben, urteilte Stankewitz. Der von Prinz laut "SZ" als Kronzeuge benannte Hamburger PR-Berater Ludwig Karstens relativierte gestern die Schwarzgeld- Darstellung. "Die Formulierung "inoffizielle Zahlung' gab es, aber sie bedeutet nicht automatisch Schwarzgeld", sagte er der "Welt am Sonntag". Beispielsweise sei denkbar, dass Daum neben einem festen Gehalt vom Verein ordnungsgemäß deklarierte Siegprämien bekommen habe, für deren Versteuerung er selbst zuständig gewesen sei.

Der Sportbeauftragte der Bayer-AG, Meinolf Sprink, sagte dem Berliner "Tagesspiegel", die Zahl von neun Millionen Mark liege "exorbitant weit weg" von dem Salär, das Daum inklusive Prämien tatsächlich erhalten habe. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder habe vor der geplanten Verpflichtung von Daum, die nach dessen Enttarnung als Kokain-Konsument platzte, in Leverkusen angerufen, "um sich nach dem Gehalt von Daum zu erkundigen".

Vorgänger Erich Ribbeck hatte beim DFB ein Bruttogehalt von jährlich 1,2 Millionen Mark bezogen. Die Einkünfte von Nachfolger Rudi Völler dürften bei etwa zwei Millionen Euro liegen. Mayer-Vorfelder sagte, der Arbeitsvertrag habe zwar vorgelegen, "aber von Gehaltszahlungen stand noch gar nichts drin".

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