NRW-Chef soll zurücktreten
Verlierer finden ihre Sündenböcke

Die beiden großen Wahlverlierer, SPD und FDP, haben bereits ihre Sündenböcke gefunden: Eine Stunde nach Schließung der Wahllokale trat FDP-Parteichef Guido Westerwelle gestern mit vorgerücktem Kinn vor die Kameras. Umgeben von Vorstandsmitgliedern, teilte er mit, dass die von seinem Stellvertreter Jürgen Möllemann angezettelte Debatte zum Thema Israel "das Wahlergebnis verhagelt" habe.

oli/HB BERLIN/WASHINGTON. Das Präsidium habe ihn einstimmig zum Rücktritt aufgefordert. Möllemann hält das für eine "monokausale Erklärung". Er sprach von der "bittersten Stunde" während seiner Mitgliedschaft in der FDP. Er, der mit dem von ihm geführten Landesverband Nordrhein-Westfalen etwa 2 % über dem Bundesergebnis lag, wolle eine Nacht nachdenken.

In der SPD mehrten sich die Stimmen, dass die Äußerungen von Justizministerin Herta Däubler-Gmelin den Wahlsieg gekostet haben könnten. Falls es für SPD und Grüne doch noch reichen würde, werde sie keinen neuen Kabinettsposten erhalten, verlautete am Sonntag in Berlin aus Kreisen von Regierung und SPD. Däubler-Gmelin wird vorgeworfen, die Außenpolitik des US-Präsidenten George W. Bush mit der Adolf Hitlers verglichen zu haben. Trotz mehrerer Dementis steht die Justizministerin unter massivem Druck im In- und Ausland. Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident George W. Bush, Condoleezza Rice, warf der Bundesregierung vor, das Klima zwischen beiden Ländern zu vergiften. "Ich würde sagen, dass wir zuletzt keine glückliche Zeit mit den Deutschen hatten. Es wurden ein paar Sachen gesagt, die völlig inakzeptabel sind", sagte Rice. Dabei bezog sie sich auf Däubler-Gmelin, aber auch auf die anhaltende deutsche Kritik an der amerikanischen Irak-Politik.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lehnt ein Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen Peter Struck ab. Rumsfeld sagte auf die Frage, ob er Struck bei einem Nato-Treffen am kommenden Dienstag in Warschau sprechen wolle: "Ich habe sicherlich keine Pläne, mich mit dieser Person zu treffen." Bundeskanzler Schröder versuchte unterdessen in einem Brief an Bush, die Wogen zu glätten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%