NRW hofft auf Fußball-WM 2006
Katzenjammer in den Verliererstädten

100 Tage nach der Wahl der deutschen Olympia- Kandidatenstadt für 2012 herrscht in den vier Verliererstädten Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg und Stuttgart immer noch Katzenjammer. "Es sind Narben geblieben, auch emotionale", sagt Nordrhein-Westfalens Sportminister Michael Vesper, "doch wir versuchen den Schwung zu halten."

HB/dpa DÜSSELDORF. Nach der unerwarteten Kürung Leipzigs am 12. April in München ist der Elan jedoch weitgehend verpufft, die Verbitterung über den Ausgang der Wahl aber nicht. "Frankfurt und die anderen drei Städte hatten offenbar von vornherein keine Chance", meint Felix Semmelroth, Büroleiter der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth. Ebenso wie Vesper ist er auch darüber verwundert, dass die Bewerbung Leipzigs nun ein völlig anderes Gesicht erhält: "Dass das Konzept von Leipzig nun weitgehend verändert wird, ist schon bemerkenswert. Es gibt viele Fragen, die wir aber nicht stellen."

Nachkarten wollen beide Politiker nicht, mitwirken am Gelingen der internationalen Kandidatur Leipzigs lässt man die vier unterlegenen Städte und Regionen jedoch offenbar nicht. "Wir haben unsere Hilfe angeboten, aber bekamen bisher nur nette Briefe zurück", berichtet Minister Vesper. Für NRW hofft er durch die World Games 2005 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ("Wir sind mit drei Spielstädten ein Kernland") auf eine Wiederbelebung der Begeisterung.

Das Geld für andere Sportfördermaßnahmen ist dagegen angesichts einer leeren Landeskasse knapp geworden. "Es sind die schwierigsten Haushaltsberatungen, die es je in NRW gab", so der Grünen-Politiker. Zum Glück hat die Olympia Rhein Ruhr GmbH gut gewirtschaftet und kein Defizit als Erbe hinterlassen. Angesichts drohender Mittelkürzungen hofft Richard Winkels, Präsident des Landessportbundes NRW, "dass sich die Politiker an ihre im Zuge der Olympia-Bewerbung gemachten Versprechungen erinnern".

In Stuttgart hat die Olympia-Pleite nicht nur einen gewaltigen Kratzer im Image der Sportstadt hinterlassen, sondern auch ein tiefes finanzielles Loch verursacht. Stadt, Land und Region müssen ein Minus von etwa 900 000 ? ausgleichen. Laut Geschäftsführer Reimund Gründler ist dieses Defizit hauptsächlich durch die etwa 750 000 ? teure Olympia-Party auf dem Stuttgarter Schlossplatz entstanden.

Die gescheiterten Olympia-Pläne bedeuteten auch einen Rückschritt für große Infrastruktur-Maßnahmen. Die Finanzierung der fest eingeplanten Robert-Bosch-Halle für 16 000 Zuschauer ist sehr fraglich geworden. Schuster will sich durch den Finnen Harkimo (wie in Hamburg) durch einen einmaligen städtischen Zuschuss bauen lassen, verspürt aber im Gemeinderat heftigen Gegenwind. Von einer Schwimmhalle oder einen zweiten Großsporthalle ist keine Rede mehr.

Schnell droht Hamburg, vor der Wahl auf den Favoritenschild gehoben, in der Förderung des olympischen Sports wieder zur Provinz zu werden. Jüngstes Beispiel dafür ist das finanziell abgespeckte und an Stars arme Leichtathletik-Meeting am Sonntag in der Hansestadt gewesen. "Wir sind wieder auf den alten Stand zurückgefallen, die Königsdisziplin der Olympischen Spiele fristet in Hamburg ein Schattendasein", sagt Sportfest-Direktor Rainer Blankenfeld. Im Zuge der Olympia-Bewerbung wurde das Meeting 2002 mit 150 000 ? unterstützt, nun waren es nicht mehr als ein Drittel. "Das ist nur noch peinlich", findet Blankenfeld.

Ob im kommenden Jahr überhaupt noch Geld von der Stadt fließt, ist nicht sicher. Zudem ist auch die Unterstützung der Wirtschaft ausgeblieben, die in Sachen Olympia noch Feuer und Flamme war. "Wir haben alle Olympia-Sponsoren angeschrieben, da ist nichts gekommen", erzählt Blankenfeld. 400-Meter-Europameister Ingo Schultz ist zwar froh, dass er dank eines Sponsors in Hamburg bleiben konnte, die Unterstützung von der Stadt fehlt ihm aber auch: "Es ist sehr ärgerlich für mich, dass mein Heimtrainer für unser Höhentrainingslager nicht freigestellt wird."

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