NRW-Umweltministerin Höhn will Zootiere impfen lassen
EU verhängt Exportverbot wegen Geflügelpest in NRW

Nordrhein-Westfalen darf wegen des erhärteten Verdachts auf Geflügelpest keine lebenden Hühner und anderes Geflügel in Staaten der Europäischen Union (EU) exportieren.

Reuters BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Ein Sprecher der EU-kommission sagte am Montag in Brüssel, die Kommission werde am Nachmittag den Export von lebendem Geflügel, Bruteiern und Geflügelmist aus Nordrhein-Westfalen zunächst bis Freitag verbieten. Zuvor hatte sich der Verdacht auf den ersten Fall von Geflügelpest in Deutschland nach Angaben des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums erhärtet. Erste Laboruntersuchungen aus dem Umkreis um den vermutlichen Krankheitsherd waren indes bisher unauffällig.

Das EU-Exportverbot trete noch am Montagnachmittag in Kraft und werde voraussichtlich am Donnerstag von einem Expertenausschuss um eine weitere Woche verlängert, sagte ein Kommissionssprecher. Auch innerhalb Nordrhein-Westfalens dürfe Geflügel dann kaum noch bewegt werden. Zulässig seien allerdings direkte Fahrten zum Schlachthof. Ähnliche Verbote waren wegen der Geflügelpest zuvor gegen die Niederlande und Belgien verhängt.

Die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere auf der Insel Riems habe in einem Zwischenergebnis den Verdacht auf Geflügelpest in dem Betrieb in Schwalmtal erhärtet, teilte das Landesumweltministerium in Düsseldorf mit. Das endgültige Ergebnis werde aber erst in den nächsten Tagen erwartet. Erste Laboruntersuchungen des Staatlichen Veterinäramtes Krefeld von Proben aus Betrieben in der Nachbarschaft des Betriebes in Schwalmtal seien bisher negativ gewesen ebenso wie klinische Untersuchungen im Umkreis von drei Kilometern.

Nordrhein-Westalens Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) bereite derzeit einen Antrag an die Europäische Kommission für die Impfung von Zootieren am linken Niederrhein für den Fall vor, dass sich der Verdachtsfall von Geflügelpest in dem Betrieb in Schwalmtal auch amtlich bestätigten sollte, hieß es weiter. Das EU-Recht sieht im Falle einer Impfung ein nationales Exportverbot vor. Dies ist ein alter Streit zwischen Deutschland und der EU. Bereits bei dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) vor zwei Jahren hatte Höhn teilweise auch gegen ihre Kollegin auf Bundesebene Renate Künast (Grüne) die vorbeugende Impfung gefordert. "Impfen statt Töten", hieß es damals. Künast indes hatte vor den wirtschaftlichen Sanktionen im Falle von Impfungen gewarnt. Fleisch aus Gebieten, in denen vorbeugend geimpft wird, darf nicht ausgeführt werden und muss dort entweder eingelagert, verzehrt oder vernichtet werden. Zudem könnte ganz Deutschland ein Fleisch-Exportverbot von Staaten außerhalb der EU drohen, weil diese in der Regel nicht zwischen Bundesländern unterscheiden, die impfen, und solchen, die dies nicht tun. Geimpfte Tiere lassen sich medizinisch nicht von infizierten unterscheiden.

Im Rahmen der vorsorglichen Bekämpfung der Geflügelpest wurden in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Tagen bereits rund 84 000 Tiere getötet, davon rund 80 000 im Kreis Viersen und 4000 im Kreis Wesel. Die Ermittlungen von möglichen Kontakten zu weiteren Betrieben ergaben dabei den Angaben zufolge, dass ein Betrieb in Willich (Kreis Viersen) mit rund 2 000 Legehennen, ein Betrieb in Tönisvorst (Kreis Viersen) mit 60 Tieren sowie ein Betrieb in Moers (Kreis Wesel) mit etwa 4 000 Tieren betroffen waren. In diesen Betrieben sind bisher aber keine Krankheitssymptome aufgetreten. Proben würden derzeit untersucht, erklärten die Behörden.

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