NRW: Verfassungssdschutz wird aufgestockt
Bis zu 100 "Terror-Schläfer" in Deutschland vermutet

Vermutlich bis zu 100 "Terror-Schläfer" halten sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Fritz Behrens in Deutschland auf.

ap DÜSSELDORF. Diese fanatischen Kämpfer hätten die Ausbildungslager des mutmaßlichen Terroristen Osama Bin Laden in Bergen Afghanistans durchlaufen, würden unauffällig und unentdeckt in der Bundesrepublik leben und eine potenzielle Gefahr darstellen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Düsseldorf. Etwa ein Viertel dieser "Sleeper" halte sich möglicherweise in Nordrhein-Westfalen auf.

Einzelpersonen, eventuell Kleinstzellen aus dem Umfeld der von Bin Laden gegründeten Organisation Al Kaida lebten auch an Rhein und Ruhr, sagte Behrens weiter. Nach seinen Worten hat der Verfassungsschutz Hinweise auf Einzelpersonen. Mit selbst erstellten Videos über Kampfeinsätze in Krisengebieten wie etwa Tschetschenien wollten sie "Kämpfernachwuchs" werben. Mit Videos über Gräueltaten an der Bevölkerung sammeln diese Personen laut Behrens Spenden. "Einige von denen meinen wir zu kennen", erklärte Behrens weiter.

An Rhein und Ruhr leben derzeit etwa 1,1 Millionen Muslime. Darunter ist laut Verfassungsschutz eine kleine Minderheit von 500 Extremisten, die Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung nicht ausschließen. Behrens kündigte eine Aufstockung des Verfassungsschutzes um 30 Mitarbeiter an, darunter seien auch Islamexperten.

Nach einem möglichen militärischen Gegenschlag der USA steigt laut Minister das Risiko weltweiter gewalttätiger Reaktionen islamischer Extremisten. Auf die Bedrohung würden sich die Sicherheitsorgane gezielt vorbereiten, meinte der Politiker. Zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung neuen Terrors seien Landeskriminalamt und Verfassungsschutz dabei, Täterprofile weiter zu entwickeln. "Es ist unsere vordringliche Aufgabe, die Sleeper des islamischen Terrorismus gezielt aufzuspüren", sagte Behrens.

Mujahedin eine Art "islamischer Fremdenlegion"

Laut Verfassungsschutz hat sich unter Führung der von Osama Bin Laden gegründeten afghanischen Organisation Al Kaida ein internationales Netzwerk gebildet. Dieses bilde in eigenen Lagern unter dem Schutz der Taliban die Kämpfer aus, die sich als Mujahedin bezeichnen. Die Absolventen solcher Ausbildungslehrgänge bilden das Potenzial für eine Art "islamischer Fremdenlegion", meinte Behrens, die überall dort kämpfen, wo sie sich gebraucht fühlten.

Den Angaben zufolge werden in Nordrhein-Westfalen islamisch-extremistische Organisationen mit knapp 10.000 aktiven Anhängern beobachtet. Behrens unterstützte das geplante bundesweite Verbot des Religionsprivilegs im Vereinsgesetz. Nur so könnten bundesweit auch Vereine verboten werden, "die unter dem Deckmantel von Religionsgemeinschaften Straftaten vorbereiten". Das könne etwa für die Kaplan-Organisation mit Sitz in Köln zutreffen. Auch die Ziele der mit 7500 Mitgliedern in NRW stärksten Organisation Milli Görus mit Sitz in Kerpen bei Köln seien zum Teil unvereinbar mit den im Grundgesetz verankerten Demokratie- und Menschenrechten. "Diese Organisation ist gefährlich, obwohl sie nicht zur Gewalt aufruft", sagte Behrens weiter.

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