NS-Zeit
Bereits 820 000 Zwangsarbeiter entschädigt

Gut ein Jahr nach Beginn der Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter in Deutschland haben nach Angaben der Entschädigungsstiftung rund 820 000 Personen Zahlungen erhalten.

Reuters BERLIN. Der Vorsitzende der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft", Michael Jansen, sagte am Mittwochabend in Berlin, insgesamt seien bislang rund 1,5 Milliarden Euro an die ehemaligen Zwangsarbeiter und Insassen von Konzentrationslagern ausgezahlt worden. Die Zahlungen seien in 70 Länder geflossen. Es sei entschieden worden, auch Zwangsarbeiter sofort zu entschädigen, die nicht in der Industrie, sondern in der Landwirtschaft gearbeitet hätten. Von den über zwei Millionen Anträgen auf Entschädigung würden voraussichtlich 1,7 Millionen anerkannt. Wegen Schwierigkeiten beim Nachweis des Entschädigungsanspruch werde sich der Abschluss der Zahlungen leicht verzögern. "Das gestaltet sich schwieriger als wir dachten", sagte Jansen.

In Tschechien werde die erste Entschädigungsrate bis zum Ende des Jahres ausgezahlt werden, in Polen, Tschechien und Weißrussland bis Mitte nächsten Jahres, sagte Jansen. Die zweite und letzte Rate werde voraussichtlich Ende 2003 fließen, einige Monate später als noch im April erwartet. Einen ähnlichen Zeitrahmen gebe es für die Zahlungen der Jewish Claims Conference (JCC), die für die Entschädigung jüdischer Antragsteller unter anderem aus Deutschland, Israel und den USA zuständig ist. In Russland und in der Ukraine werde die Zahlung der ersten Rate nicht vor 2004 beendet sein. Mit dem Abschluss der Zahlungen sei hier wohl 2005 zu rechnen.

Der größte Teil der bisher ausgezahlten Entschädigungen floss nach Darstellung der Stiftung mit rund 500 Millionen Euro über die JCC, 462 Millionen Euro wurden bislang nach Polen ausgezahlt. Dort wohnt auch der Großteil der bislang Entschädigten, insgesamt rund 330 000 Personen. In der Ukraine erhielten bislang 185 000 Menschen Entschädigungen, in Weißrussland 73 000, in Tschechien 57 000 und in Russland rund 50 000. Einzelne Zahlungen gingen auch an Anspruchsberechtigte in Thailand, Sambia, Guatemala, auf den Bahamas und auf den Färöer-Inseln. Die ehemaligen Zwangsarbeiter erhalten zwischen rund 1000 und rund 7700 Euro.

Jansen bezeichnete die Auszahlungsbilanz als positiv. Nur bei einem geringen Teil der Leistungsempfänger seien die Zahlungen nicht angekommen, etwa wegen deren Tod. Der erste Eindruck aus der Überprüfung der Auszahlungen durch die Partnerorganisationen der Stiftung sei ebenfalls positiv.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%