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NSA lauscht unter Wasser

Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) plant, die Datenströme in Unterseekabeln mit Hilfe des Atom-U-Bootes "Jimmy Carter" anzuzapfen. Das Unterwassergefährt wird dementsprechend bis 2004 für 1 Mrd. $ zu Amerikas größtem Spionage-U-Boot aufgerüstet, berichtet das "Wall Street Journal".

ful/wsj DÜSSELDORF. Als Quelle nennt die Zeitung einen früheren Staatsbediensteten, der mit dem Projekt vertraut sei. Die NSA kommentierte die Meldung - wie in solchen Fällen üblich - nicht.

Bestätigen sich die Gerüchte über die NSA-Spionage-Pläne, wäre das nach Ansicht von Gerhard Schmid, Mitglied des Europäischen Parlaments, höchst problematisch. Der Berichterstatter des Untersuchungsausschusses für das Lauschsystem Echelon - das federführend von der NSA betrieben wird - meint, der legale Zugang eines abhörwilligen Staates reduziere sich ausschließlich auf die Endpunkte von Telekommunikations-Verbindungen (Netzwert vom 07.05.01). Er brauche dazu außerdem das Recht, die heute meist privaten Besitzer der Kabel zur Duldung des Abhörens zu zwingen. Laut US-Gesetz darf die NSA, keine Telefonanrufe oder E-Mails der US-Staatsbürger unterbrechen und weiterleiten, ohne per Gerichtsbeschluss dazu berechtigt zu sein. Bislang hat das den Geheimdienst jedoch nicht von seinen Plänen abgeschreckt.

Schon Mitte der 90er Jahre soll die NSA angeblich die Glasfaserkabel im Meer versuchsweise angezapft haben. Doch auch wenn nach drei Jahren der maritime Superspion "Jimmy Carter" vom Stapel läuft - ob er den Amerikanern den gewünschten Informationsfluss garantieren kann, bleibt fraglich. Beim letzten Spionageversuch war es der NSA nicht gelungen, das umfangreiche Datenmaterial aus den Unterwasserkabeln zu entschlüsseln. "Was wir hatten, war eine Explosion an digitalen Bits, wie ein Feuer-Hydrant, der dir ins Gesicht spritzt", schimpft ein früherer NSA-Techniker. Um die Informationen zu entschlüsseln, muss der Geheimdienst seine Computer-Kapazitäten deshalb ausbauen. Und das soll geschehen: Erst kürzlich beschloss der Dienst, seine Rechner von einem privaten High-Tech-Konzern aufrüsten zu lassen (Netzwert vom 23.04.01). Mehr als 15 Unternehmen bewerben sich um den Auftrag, dessen Volumen in 10 Jahren schätzungsweise 5 Mrd. $ umfassen wird.

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