NTT Docomo und AT&T Wireless bauen ein GSM-Mobilfunknetz
AT&T macht Voicestream Konkurrenz

Der US-Mobilfunknetzbetreiber Voicestream, den die Deutsche Telekom kaufen will, wird schon bald nicht mehr der einzige Anbieter in den USA sein, der den europäischen Mobilfunkstandard GSM nutzt: AT&T baut neu.

HB BERLIN. Die Zusammenarbeit zwischen dem US-Mobilfunknetzbetreiber AT&T Wireless Solutions (AWS) und dem japanischen Mobilfunker NTT Docomo hat erhebliche Auswirkungen auf den US-Mobilfunkmarkt. Wie ein AT&T-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt erläuterte, wird AWS das eigene Netz mit der europäischen GSM-Mobilfunktechnik überbauen. Damit verliert Voicestream die technische Alleinstellung als einziger landesweiter GSM-Netzbetreiber in den USA. Mit dieser Alleinstellung hatte die Deutsche Telekom den hohen Preis von nach heutigen Kursen 35 Mrd. Euro begründet, den sie für den kleinsten der sechs landesweiten Mobilfunknetzbetreiber zahlen will.

Ein Sprecher der Telekom-Tochter T-Mobil hält die AT&T-Pläne trotzdem nicht für eine Bedrohung der US-Strategie seines Unternehmens. "Im Gegenteil. Wir sehen das positiv", sagte er. Ein weiterer Anbieter, der das Thema GSM und Datendienste im US-Markt bewirbt, werde den Voicestream-Kampagnen Rückenwind geben. "Wir sehen das als Bestätigung unserer Strategie." In dieser Situation habe Voicestream den Vorteil, bereits über ein funktionsfähiges Netz zu verfügen, während AWS dieses erst noch aufbauen müsse. Gleichzeitig werde der US-Markt für die Hersteller von GSM-Handys interessanter. Sie könnten dort Geräte in großer Stückzahl und billiger für den Kunden anbieten.

Die Mobilfunktochter von AT&T, an der sich NTT für 9,8 Mrd. $ mit 16 % beteiligen wird, nutzt zur Zeit noch den Standard TDMA, der neben dem europäischen GSM-Standard und dem wichtigsten der zahlreichen US-Standards, CDMA, inzwischen alt aussieht. Wie Voicestream-Chef John Stanton vor einigen Wochen sagte, gebe es schon seit einiger Zeit Überlegungen der TDMA-Nutzer, ihre Netze mit GSM-Technik zu überbauen.

Vorteile für KPN-Tochter E-Plus durch die einheitliche technische Plattform

Nach einer Meldung des Internet-Informationsdienstes Totaltele.com steht auch der zweitgrößte US-Mobilfunker Cingular (ein Joint-Venture von SBC und Bell South) davor, das TDMA-Netz zumindest für Datendienste mit GSM-Technik zu überbauen. Der Informationsdienst sieht dies als Reaktion der etablierten Anbieter auf den bis Mitte 2001 bevorstehenden Kauf von Voicestream durch die Telekom.

Die AT&T-Mobilfunktochter will jetzt für den massiven Netzausbau 6,2 Mrd. $ aus dem Kaufpreis von NTT nutzen. Das GSM-Netz soll von Anfang an mit der schnellen Datentechnik GPRS ausgerüstet werden. AWS erhofft sich dadurch nach Aussage ihres Chefs John Zeglis, schneller auch am Multimedia-Mobilfunk UMTS teilnehmen zu können. Bisher hinken die USA hinter Europa im Mobilfunk um zwei bis drei Jahre hinterher.

Die Anbindung an europäische Weltstandards hat nach Meinung des AT&T-Sprechers Vorteile auch für europäische Anbieter, deren Kunden bald auch in den USA telefonieren können. Auf jeden Fall Vorteile wird die europäische NTT-Beteiligung KPN mit ihrer Tochter E-Plus durch die einheitliche technische Plattform haben. Ins Hintertreffen wiederum könnte Vodafone geraten: Verizon Wireless, an der die Briten mit 45 % beteiligt sind, nutzt den nicht mit GSM kompatiblen CDMA-Standard.

Gleichzeitig mit der Ankündigung der us-japanischen Partnerschaft nannte AWS die Lieferanten der neuen Technik: Ericsson und Nokia werden ab Anfang 2001 die GSM/GPRS-Basisstationen liefern, Nortel und Lucent sollen ab 2002 das UMTS-Netz bauen. Bis Ende 2001 sollen 40 % des AWS-Netzes mit GSM/GPRS-Technik ausgerüstet sein. UMTS-Dienste werde es frühestens ab 2003 geben. Nach Aussage des AT&T-Sprechers hat AWS genügend Frequenzen, um ohne neue Lizenzen in zwei Dritteln der USA UMTS-Netze aufbauen zu können.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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