Nürnerger Zentrale wirkt als Bremsklotz
Plauen top, Stuttgart flop

Die Qualität der 181 Arbeitsämter in Deutschland weist aus Sicht von Unternehmern gravierende Unterschiede auf. Die schlechtesten Arbeitsämter finden sich einer am Dienstag vorgestellten "forsa"-Umfrage in Auftrag des Wirtschaftsmagazins "impulse" zufolge in Stuttgart, Köln und Ludwigshafen. Die beste Arbeitsvermittlungsbehörde ist demnach im sächsischen Plauen zu finden - gefolgt von Essen und Altenburg in Thüringen.

ddp BERLIN. Das Meinungsforschungsinstitut "forsa" hatte in allen Arbeitsamtsbezirken jeweils 100 repräsentativ ausgewählte Firmenchefs befragt. Kriterien für die Beurteilung waren das Informationsangebot, Kompetenz der Vermittler, Fördermaßnahmen, die individuelle Betreuung, die Bearbeitungsdauer, der Service allgemein sowie die Qualität der Bewerber.

Laut "forsa"-Chef Manfred Güllner äußerten sieben von zehn Unternehmern Kritik an der vom Arbeitsamt angebotenen Auswahl an Bewerbern. Diese entsprechen offenbar häufig nicht den geforderten Profilen. Insbesondere Inhaber kleiner Betriebe bemängelten diesen Aspekt.

Zufrieden zeigte sich hingegen eine Mehrheit von über 60 Prozent mit der Kompetenz der Arbeitsamtsmitarbeiter, dem Service sowie der Beratungsdauer. "Die deutschen Arbeitsämter sind besser als ihr Ruf", kommentierte "impulse"-Chefredakteur Thomas Voigt die Ergebnisse. Dennoch gebe es erhebliche Leistungsunterschiede zwischen den Behörden. Neben Stuttgart, Köln und Ludwigshafen kamen auch die Arbeitsämter in Berlin-Südwest (Platz 178) und Hamburg (177) schlecht weg. Als Metropolen-Arbeitsämter reihen sich auch Frankfurt/Main (Platz 175), Bonn (171) und München (170) in die Gruppe der schlechtesten.

Parallel wurden auch die Direktoren der Arbeitsämter befragt. Trotz eines "Maulkorberlasses" der Bundesanstalt für Arbeit (BA), mit der die Beantwortung der Fragen habe untersagt werden sollen, hätten 50 Behördenchefs Rede und Antwort gestanden, sagte Voigt. 30 Prozent von ihnen beklagten laut forsa "zu viele und zu komplizierte Weisungen und zuviel Bürokratie" aus Nürnberg. 14 Prozent beanstandeten, dass die BA-Mitarbeiter die Probleme "vor Ort" zu wenig kennen.

Voigt sieht in den Äußerungen nicht zuletzt eine Kritik an der Arbeit von BA-Chef Florian Gerster. Nürnberg werde von den Arbeitsamtschefs eher als "Bremsklotz" denn als "Triebkraft" angesehen. Die eigentliche Reformkraft liege auf der unteren Ebene der Arbeitsvermittlung. Dort setzen die Vorschläge der Hartz-Kommission jedoch nicht an.

Die Arbeitsamts-Direktoren kritisierten auch die Arbeitgeber. Diese müssten freie Stellen melden und das Arbeitsamt als erste Adresse für die Suche nach Mitarbeitern ansehen. Ferner sei eine vorausschauende Personalplanung« nötig. Als sinnvoll betrachten es die Arbeitsamtsleiter auch, wenn die Firmen ihre Stellenanzeigen konkreter formulieren würden.

Kaum Erfolge rechnen Unternehmer und Arbeitsamts-Chefs den Vermittlungsgutscheinen zu. Mit ihnen bekommen Jobsucher seit Ende März wahlweise die Kosten für eine private Vermittlung erstattet. Wie die Umfrage ergab, haben aber erst drei Prozent der Unternehmen von einer privaten Arbeitsvermittlung einen Bewerber angeboten bekommen, der von einen solchen Gutschein Gebrauch gemacht hat.

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