Nummer Eins bei Insektenbekämpfung
Bayer wächst an die Weltspitze

Mit der größten Übernahme ihrer über hundertjährigen Geschichte wächst die Bayer AG zur weltweiten Nummer Zwei im Pflanzenschutz.

vwd LEVERKUSEN. Mit der Cropscience-Übernahme kommt die im Pharmageschäft angeschlagene Bayer auf mehr als das Zweieinhalbfache ihres bisherigen Umsatzes im Pflanzenschutz. Vorstandsvorsitzender Manfred Schneider kündigte ein die Branche deutlich übertreffendes Wachstum an. Die Großakquisition ist mit dem Abbau von 4 000 Stellen bei der künftigen Bayer Cropscience verbunden.

Mit dem Kauf des Joint Ventures, an dem Aventis 76 % und Schering 24 % bislang halten, katapultiert sich Bayer hinter den Weltmarktführer Syngenta aus der Schweiz. Mit Sitz in Monheim bei Leverkusen entsteht ein globaler Anbieter mit einem Geschäftsvolumen von 6,5 Mrd bis sieben Mrd EUR, der auch auf der Basis von Biotechnologie in den Bereichen Pflanzenschutz und Pflanzenproduktion tätig ist. Im Bereich Insektenbekämpfung wird Bayer durch die Übernahme die weltweite Nummer Eins, in der Pilzbekämpfung stößt der im Dax gelistete Konzern auf den zweiten Platz vor, und bei Mitteln gegen Unkraut wird er Rang Drei belegen.

Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus

Geleitet wird Bayer Cropscience von Jochen Wulff, dem bisherigen Chef des Geschäftsbereichs Pflanzenschutz von Bayer. Die neue Tochter soll ab 2004 Gewinn bringen. Bis 2005 sollen der Umsatz auf acht Mrd Euro gesteigert und ein operatives Ergebnis von 1,6 Mrd Euro erzielt werden, wie Scheider vor der Presse ausführte. Im Kaufpreis seien übernommene Schulden von 1,9 Mrd Euro enthalten. Bayer rechne durch den Erwerb, dessen Abschluss Anfang 2002 erwartet wird, mit Synergien von 500 Mio Euro pro Jahr, denen einmalige Aufwendungen in gleicher Höhe gegenüberstünden. Dem Geschäft müssen noch die Kartellbehörden zustimmen. Offenbar ist es ein Fall für Brüssel.

Schneider machte klar, dass Bayer den Bereich Insektenschutzmittel nicht abgeben will, was als mögliche Auflage der Wettbewerbshüter angenommen wird. Man habe gute Argumente für die Unbedenklichkeit der Übernahme. Bezahlt wird der Kauf mit Fremdmitteln, wodurch die Schulden des Konzerns im nächsten Jahr von sechs Mrd auf 15 Mrd Euro emporschnellen. Damit hat Bayer vorerst keinen Spielraum mehr für weitere Zukäufe in ähnlicher Größenordnung, wie der Finanzvorstand und designierte Nachfolger Schneiders, Werner Wenning, einräumte. Allerdings verfüge der Konzern noch immer über solide Bilanzrelationen.

Aus dem Konflikt zwischen Aventis Cropscience und den Behörden in den USA um genmanipulierten Mais hält sich Bayer heraus: Man übernehme keine Gewährleistung für eventuelle Schadenersatzforderungen aus der Vermarktung. Die fragliche Sorte Starlink enthält ein Protein, das im Verdacht steht, bei Menschen Allergien auszulösen. Ende 2000 einigte sich Aventis Cropscience mit 17 US-Bundesstaaten zunächst auf Entschädigungszahlungen von 100 Mio Euro. Diese Summe wurde vor zwei Monaten um einen nicht genannten Betrag aufgestockt, nachdem festgestellt worden war, dass mehr Anbauflächen von den Verunreinigungen betroffen waren als vermutet.

Aventis will sich ganz auf den Pharma-Bereich konzentrieren

Auch die Verkäufer Aventis und Schering begrüßten die Übereinkunft mit Bayer: Der Leverkusener Konzerns sei aus strategischer Sicht der beste Partner für die Pflanzenschutztochter, erklärte Aventis, die sich ganz auf den Bereich Pharma konzentrieren will. Auch die Schering AG, an die 1,5 Mrd Euro fließen, wird durch das Desinvestment ein reiner Medikamentenhersteller. Beide Unternehmen betonten, sie könnten mit den Erlösen nun den Ausbau des Kerngeschäfts vorantreiben.

Im unter Druck geratenen Pharmageschäft will Bayer als Konsequenz aus dem Skandal um den Cholesterinsenker Lipobay zusätzlich 1 250 Stellen abbauen, wie Wenning bekannt gab. Sie kommen zu den 4 000 Arbeitsplätzen hinzu, die im Rahmen eines Kosensenkungsprogramms noch wegfallen sollen. Außerdem will Bayer in diesem Jahr das Investitionsbudget um rund 500 Mio Euro kürzen. Die künftig selbstständige Pharma-Tochter des Konzerns soll in zwei Geschäftsbereiche aufgeteilt werden. In beiden will Bayer Ausschau nach strategischen Partnern halten.

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