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Nun auch weniger Urlaub im Gespräch - Schröder: Keine GeneraldebatteDPA-Datum: 2004-07-04 15:35:21

HAMBURG (dpa-AFX) - Neben längeren Arbeitszeiten in Deutschland ist jetzt auch eine Verkürzung des Urlaubs im Gespräch. "Eine Woche weniger Urlaub bringt keinen um, schafft aber neue Jobs", sagte der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, der "Bild-Zeitung" vom Samstag. In der Automobilindustrie streben drei große Zulieferer eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich an. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach sich unterdessen gegen eine generelle Debatte über die Arbeitszeit aus.

HAMBURG (dpa-AFX) - Neben längeren Arbeitszeiten in Deutschland ist jetzt auch eine Verkürzung des Urlaubs im Gespräch. "Eine Woche weniger Urlaub bringt keinen um, schafft aber neue Jobs", sagte der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, der "Bild-Zeitung" vom Samstag. In der Automobilindustrie streben drei große Zulieferer eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich an. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach sich unterdessen gegen eine generelle Debatte über die Arbeitszeit aus.

"Ich halte es für falsch, sich generell über 35 Stunden oder 42 Stunden zu streiten", sagte Schröder (SPD) dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Das wird den unterschiedlichen Situationen in den Betrieben nicht gerecht." Entscheidend sei eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Dazu biete das Tarifrecht vielfältige Möglichkeiten, die auch genutzt würden, sagte Schröder.

PRESSE: 3 GROSSE AUTOZULIFERER WOLLEN ARBEITSZEIT BIS ZU 40 STUNDEN

Drei von 25 großen deutschen Autozulieferern wollen eine wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 40 Stunden ohne Lohnausgleich durchsetzen, wie die Branchenzeitung "Automobilwoche" nach einer Befragung bei den Unternehmen berichtet. ZF Friedrichshafen wolle über längere Arbeitszeiten für mehr als 34 000 Mitarbeiter in 31 Werken verhandeln. Ein ZF-Sprecher sagte am Samstag, bei den Verhandlungen in einigen Betrieben müsse nicht unbedingt die 40- Stunden-Woche herauskommen. Möglich sei auch eine Arbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden.

Beim Ludwigsburger Filterspezialisten MANN + HUMMEL sollten kommende Woche Gespräche mit dem Betriebsrat über eine 40-Stunden- Woche an fünf Standorten beginnen, berichtet die "Automobilwoche" weiter. Der US-Zulieferer Federal-Mogul wolle nach Angaben des Betriebsrats die wöchentliche Arbeitszeit an allen zwölf deutschen Standorten ebenfalls auf 40 Stunden erhöhen.

STEINKÜHLER KRITISIERT SIEMENS-IG

In der IG Metall hört unterdessen Kritik an der Einigung bei Siemens auf eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich in den Werken Bocholt und Kamp-Lintfort. Der frühere Gewerkschaftsvorsitzende Franz Steinkühler (1986 bis 1993) sieht in ihr einen gefährlichen Präzedenzfall. "Es ist zu befürchten, dass viele Betriebsräte nun von ähnlichen Ansinnen ihrer Firmenleitungen regelrecht überrollt werden", sagte er dem "Spiegel". Medienberichten zufolge will die IG- Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart den Kompromiss noch zu kippen versuchen. Die IG Metall hatte 1984 die 35-Stunden-Woche mit einem großen Streik durchgesetzt.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, betonte im Branchenblatt "Automobilwoche": "Wenn wir wieder mehr Wertschöpfung in der Automobilindustrie für Deutschland sichern wollen, dann geht das nur über eine spürbare Senkung der Arbeitskosten." Dafür müssten alle Faktoren auf den Prüfstand, auch die Arbeitszeit. Die Gesamtarbeitszeit müsse den betrieblichen Erfordernissen angepasst werden, je nach Situation des Unternehmens mit oder auch ohne Lohnausgleich.

AUCH SCHREMPP FÜR MEHR FLEXIBILITÄT

DaimlerChrysler < DCX.ETR > Chef Jürgen Schrempp sprach sich ebenfalls für mehr Flexibilität aus. "Wenn wir die Öffnungsmöglichkeiten des Flächentarifvertrags voll ausschöpfen, haben wir schon ein gutes Stück vom Weg geschafft", sagte er der "Bild". In der Forschung und Entwicklung bei DaimlerChrysler werde bereits 40 Stunden pro Woche gearbeitet. "Wenn wir in Deutschland Jobs halten und neue schaffen wollen, kommen wir nicht daran vorbei, die Kosten zu senken."

Auch CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs verteidigte in der "Bild" eine Verkürzung des Urlaubs. "Ein Paar Tage weniger Urlaub sind akzeptabel, wenn dadurch der Arbeitsplatz gesichert wird." 30 Tage Urlaub und bis zu 13 Feiertage belasteten die Unternehmen mit Riesenkosten.

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