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Nun ist Weltwirtschaft erhöht verwundbar

Die Rezessionsgefahren in den USA haben sich nach den Terrorangriffen in dieser Woche erheblich verstärkt. Der Conference Board glaubt, dass "die Rezessionsrisiken groß bleiben".

dpa NEW YORK. Das angesehene private Wirtschaftsinstitut in New York, das mit seinem Sammelindex führender amerikanischer Wirtschaftsindizes klare Hinweise auf die Konjunkturentwicklung sechs bis neun Monate im Voraus gibt, hat seine pessimistische Prognose in der Nacht zum Freitag veröffentlicht. Die USA und die Weltwirtschaft befänden sich "in einem Stadium erhöhter Verwundbarkeit", erklärte das Institut. Der Conference Board bezeichnete die Zusagen der globalen Gemeinschaft und der amerikanischen Institutionen, die wirtschaftlichen Schäden zu minimieren, als "das ermutigendste Zeichen".

Das Weiße Haus und der Kongress werden möglicherweise mit neuen Steuersenkungsprogrammen gegensteuern, und die Notenbank dürfte die US-Leitzinsen beschleunigt weiter senken, hofft die Wall Street. Viele US-Wirtschaftsweise rechnen noch vor dem nächsten Notenbanktreffen Anfang Oktober auf die achte Leitzinssenkung dieses Jahres.

Die US-Währungshüter hatten in dieser Woche bereits Rekordsummen ins US-Bankensystem gepumpt, um Probleme als Folge der Terror-Anschläge zu vermeiden. Die Notenbank hat den eigenen Banken auch weitgehend freien Zugang zu Notenbankgeldern über das Diskontfenster gegeben. Die US-Notenbank war zum letzten Mal beim Börsenkrach im Jahr 1987 so aggressiv aufgetreten.

Die US-Zentralbank hat mit der Europäischen Zentralbank ein 30-tägiges Swap-Abkommen vereinbart, das der EZB eine Kreditlinie von 50 Mrd. Dollar bei der New Yorker Federal Reserve Bank für Eventualfälle gibt. Dafür stellte die EZB Euro-Mittel in entsprechender Höhe bereit.

Angesichts der wirtschaftlichen Schwäche im August und den negativen Auswirkungen der World-Trade-Center-Attacke "werden die Aussichten auf eine bedeutsame Erholung der US-Wirtschaft weiter in die Zukunft verschoben, möglicherweise bis früh ins nächste Jahr", erklärte der Conference Board. Die Rezessionsrisiken bleiben nach Darstellung des Instituts hoch, weil sich wichtige Langzeitindikatoren wie Unternehmensgewinne, Unternehmenskosten und Lohnentwicklung verschlechterten.

Die amerikanische Arbeitslosenquote war im August von 4,5 % auf 4,9 % in die Höhe geschossen. Das US-Wirtschaftswachstum erreichte im zweiten Quartal 2001 nur noch eine Jahresrate von 0,2 %. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die eigenen Wirtschaftsaussichten hatte bereits vor dem Terroranschlag enorm gelitten. Sie repräsentieren mit ihren Ausgaben zwei Drittel der US-Wirtschaft. Ihrem Verhalten auf die jüngsten Ereignisse kommt nach Darstellung des Conference Board eine "Schlüsselfunktion" zu.

Die Reaktion der Verbraucher werde von der Reaktion der Finanz- und Arbeitsmärkte während der kommenden Wochen, von der Entwicklung der Benzinpreise, vom Immobilienmarkt und anderen wirtschaftlichen Kräften gesteuert, die das Leben der Amerikaner direkt berühren, hieß es.

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