Nur 1 000 Opfer identifiziert
Suche nach Opfern am "Ground Zero" beendet

261 Tage sind vergangen, seit das World Trade Center in Schutt und Asche sank. Seitdem suchte man sterblichen Überresten. Im Rahmen einer Gedenkstunde beendet New York am Donnerstag diese Suche.

dpa NEW YORK. Nahezu an jedem einzelnen Tag half der pensionierte Feuerwehrmann Lee Lelpi bei den Bergungsarbeiten am Ground Zero. Mitte Dezember fand er die Leiche seines Sohnes Jonathan, der als Feuerwehrmann bei der Rettung Tausender geholfen hatte. Gleich nach der Beerdigung kehrte Lelpi zurück. "Es ließ mir keine Ruhe, dass so viele Familien ihre Toten nicht begraben konnten." An diesem Donnerstag fährt der Vietnam-Veteran zum letzten Mal zur Bergungsstätte Ground Zero.

New York zieht den offiziellen Schlussstrich unter die Suche nach sterblichen Überresten von Opfern der Terroranschläge. Ab Freitag gelten auf Ground Zero vorrangig die Vorschriften für Baustellen und nicht mehr die für Katastropheneinsätze und für Tatorte von Verbrechen. "Alle Männer und Frauen der Bergungstrupps haben verdammt hart gearbeitet", sagt Lelpi. "Und doch haben wir nur 289 vollständige Leichen ausgraben können." Monate früher als zunächst vermutet sind die 1,8 Millionen Tonnen an Trümmern abgetragen worden. Wo einst die Reste des WTC zehn Stockwerke hoch aufragten, gähnt jetzt eine fast erschreckend saubere Baugrube.

Mehr als 2 800 Menschen fanden an dieser Stelle am 11. September den Tod. Die weitaus meisten verbrannten in der Gluthitze nach den Explosionen der beiden entführten Flugzeugen zu Asche oder sie wurden zwischen den einstürzenden Stahl- und Betonmassen zerrieben. Knapp 1 000 Opfer wurden seitdem identifiziert, zumeist durch DNA- Untersuchungen von abgetrennten Körperteilen, von Hautresten oder Haaren. Tausende Angehörige müssen damit leben, dass es nur die sehr große Wahrscheinlichkeit, aber nie die allerletzte Gewissheit des Todes von Menschen gibt, die sie geliebt haben.

Schweigender Trauerakt

"Mit Worten ist das einfach nicht zu erfassen", sagt der Priester Brian Jordan. Auch er war seit dem 11. September nahezu jeden Tag am Ground Zero, hat versucht den Verletzten und den Rettern, den Bergungsmannschaften und den Angehörigen von Vermissten und Toten irgendwie Trost zu spenden. Er hat dabei erfahren, dass die menschliche Sprache ihre Grenzen hat. "Wir waren sprachlos, als wir hier am ersten Tag eintrafen", sagt der Kaplan der katholischen Kirche. "Und wir sind sprachlos, auch jetzt, wo wir abziehen." Weil das so ist, und weil New York bei so vielen Trauerfeiern schon so viele 11. September-Reden gehört hat, soll es an diesem Donnerstag keine Ansprachen geben.

Um 10.28 Ortszeit (16.28 MESZ) werden in New York die Glocken läuten. Sie werden an den Moment erinnern, in dem auch der zweite der beiden 411 Meter hohen Türme des World Trade Centers zum Entsetzen der Welt einstürzte. Schweigend werden Angehörige der Rettungsmannschaften die letzte Trage aus der Grube des Ground Zero nach oben bringen. Eine US-Flagge wird sie bedecken, doch darunter wir die Trage leer sein - eine wortlose Verbeugung vor den Opfern, die nie gefunden wurden. Die Trage wird dann in den letzten Leichenwagen geschoben, der Ground Zero verlässt. Danach laden Arbeiter den letzten Stahlbetonträger des WTC auf einen Truck. Ein Trauerzug von vermutlich tausenden Menschen wird die beiden Fahrzeuge durch die Straßen von Süd-Manhattan begleiten.

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