Nur acht Fahrer erreichten das Ziel
Schumacher gewinnt "Crash-Rennen" in Melbourne

Titelverteidiger Michael Schumacher hat beim teilweise dramatischen und chaotischen Crash-Festival in Melbourne einen Saisonauftakt nach Maß gefeiert.

dpa MELBOURNE. Der viermalige Formel-1- Weltmeister triumphierte am Sonntag beim von einem Massenunfall kurz nach dem Start überschatteten Großen Preis von Australien. Damit landete er bei seiner Jagd auf Juan Manuel Fangios Fabelrekord von fünf Titeln den ersten Treffer.

"Für mich war das der ideale Saisonstart", jubelte Schumacher nach seinem Hattrick "down under" und dem insgesamt 54. Grand-Prix-Sieg und ballte die Faust. "Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr noch viel Spaß haben." Mit seinem modifizierten Vorjahresmodell ließ der Ferrari-Star den Kolumbianer Juan Pablo Montoya im Williams-BMW und McLaren-Mercedes-Neuling Kimi Räikkönen klar hinter sich und ist erster WM-Spitzenreiter mit zehn Punkten. Nur acht von 22 Fahrer sahen die Zielflagge.

Das Rennen begann mit einer spektakulären Massenkarambolage, den 127 000 Zuschauern im Albert Park stockte der Atem, und Erinnerungen an den Tod eines Streckenposten im Vorjahr wurden wach: Ralf Schumacher raste mit seinem Williams-BMW noch vor der ersten Kurve ins Heck von Rubens Barrichello und flog danach in rund drei Metern Höhe über den Ferrari. Glücklicherweise landete der Rheinländer auf den vier Rädern, ehe er ins Kiesbett schoss. "Ich hatte wirklich Glück, dass ich mich nicht überschlagen habe und an der Stelle eine große Auslaufzone ist", schilderte Ralf Schumacher später ruhig seinen Abflug: "Ich habe mich wie ein Passagier im Flugzeug gefühlt."

Insgesamt acht Piloten, darunter auch der Mönchengladbacher Nick Heidfeld im Sauber-Petronas, waren in die Massenkarambolage verwickelt und konnten nicht weiterfahren. Die Rennleitung verzichtete dennoch auf einen Abbruch und schickte das Safety Car zur Neutralisierung auf die Strecke. "Die rote Flagge wäre besser gewesen", plädierte Michael Schumacher später für einen Neustart. Die Verantwortlichen entschieden nach Analyse der Bilder und Anhörung der beiden Hauptbetroffenen auf Rennunfall, womit Strafen ausblieben.

Laut "Schumi II" trug jedoch Barrichello die Schuld. "Wenn Rubens vorne liegt, trägt er Scheuklappen. Ich habe versucht, ihn zu überholen. Er hat mich geblockt und dann gebremst", schilderte er den Crash aus seiner Sicht. "Über den Bremspunkt will ich mich nicht beschweren, es ging ja um die erste Kurve. Aber er hat definitiv zwei Mal zu oft die Linie gewechselt. Das ist nur ein Mal erlaubt." Der Südamerikaner verteidigte sich, er habe nicht zu früh gebremst: "Im Gegenteil: Ich habe später als üblich gebremst, da ich befürchtete, es könnte was passieren. Ralf hat da wohl noch Vollgas gegeben und wäre kaum um die Kurve gekommen."

Nach Freigabe des Rennens nach fünf Runden führte David Coulthard im Silberpfeil vor Jarno Trulli, Montoya und Michael Schumacher. Als der sich heftig gegen Schumachers wilde Überholattacken wehrende Italiener in die Mauer prallte, rückte nach neun Runden zum zweiten Mal das Sicherheitsauto aus. Nach dem Neustart drei Umdrehungen später rutschte Coulthard in die Wiese, und Montoya überrumpelte Schumacher mit einem glänzenden Manöver. Der Deutsche und der Kolumbianer lieferten sich nun ein packendes Duell. "Das war ein toller Kampf mit fast gleichwertigen Autos", sagte Schumacher.

Schumacher revanchierte sich in der 17. Runde mit einem perfekt eingeleiteten Überholtrick und übernahm die Spitze. Von da an war das Rennen zu seinen Gunsten gelaufen. Kontinuierlich baute der 33 Jahre alte Kerpener seinen Vorsprung aus. "Die Reifen haben eine große Rolle gespielt. Meine wurden am Schluss immer besser, als sie die richtige Temperatur hatten", nannte er als einen Grund für seinen souveränen Sieg nach 307,574 Kilometern in 1:35:36,792 Stunden (Schnitt: 193,011 km/h). Damit lag er mit seinem "Oldtimer" 18,628 Sekunden vor Montoya und 25,067 vor Räikkönen. "Das ist eine schöne Überraschung, damit habe ich nicht unbedingt gerechnet", freute sich "Schumi" darüber, die Konkurrenz mit dem F2001 so klar in Schach gehalten zu haben.

Schumacher war an diesem grauen australischen Herbsttag der einzige deutsche Gewinner. Wie für seinen Bruder und Heidfeld kam es auch für Heinz-Harald Frentzen knüppeldick. Erst sprang der Arrows- Cosworth bei der Einführungsrunde nicht an, und der Mönchengladbacher musste aus der Boxengasse starten. Dann wurde er wegen Missachtung der Roten Ampel an der Boxenausfahrt disqualifiziert. "Mein Motor stoppte, weil nicht genügend Saft auf der Batterie war", sagte Frentzen: "Das rote Licht habe ich nicht gesehen, das war ein Fehler."

Grund zum Feiern hatten dagegen Eddie Irvine als Vierter und einige Neulinge. Der Australier DM Webber krönte sein Grand-Prix- Debüt mit dem Hinterbänklerteam Minardi als überraschender Fünfter. Toyota holte bei seiner WM-Premiere durch den sechstplatzierten Mika Salo einen Punkt. Räikkönen feierte bei seinem ersten Silberpfeil- Einsatz seinen ersten Podiumsplatz. "Ich freue mich, auch wenn ich durch einen Fehler Platz zwei verloren hatte", sagte der junge Finne. Sein Teamkollege Coulthard rollte mit Getriebeschaden in der 36. Runde aus.

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