Nur CDU als Partner denkbar
Die FDP rüstete in Bremen zum Neuanfang

Für Guido Westerwelle ist die Bilanz des Parteitags eindeutig: "Wir sind wieder da!" Fast noch wichtiger ist ihm die zweite Botschaft von Bremen: "Wir haben ein Kapitel abgeschlossen" - die quälenden Affären-Monaten um Jürgen W. Möllemann.

HB/dpa BREMEN. Die Rechnung ist bei den Vorstandswahlen weitgehend aufgegangen: Der erste FDP-Parteitag der "Nach-Möllemann-Ära" verteilte zwar Denkzettel in alle Richtungen. Die Führungsmannschaft der Freien Demokraten hat die schwerste Krise der Partei seit der deutschen Einheit aber halbwegs unbeschadet überstanden. "Wir haben wieder Tritt gefasst", sagt der 41-jährige Parteichef.

Mit knapp 80 % der Delegiertenstimmen wurde auch er bei seiner Wiederwahl nicht gar so schlimm gerupft. Mit vorsichtiger Selbstkritik verhütete Westerwelle Schlimmeres. Cornelia Pieper, die von vielen in der FDP als zu blass beurteilte Generalsekretärin aus Sachsen-Anhalt, bekam eine Schonfrist. Sie soll jetzt für ihre Partei Wahlerfolge im Osten einfahren. Ein Delegierter zu ihr in Bremen: "Bitte, Frau Pieper, zeigen Sie mehr Zähne."

Wirklich beschädigt verließ nur der baden-württembergische Landeschef und Wirtschaftsminister Walter Döring die Bremer Stadthalle. Er musste den demütigenden Gang einer zweiten Wahl gehen, bevor er wieder in die Riege der Vize-Parteichefs aufrücken durfte. Die alte Rivalität zwischen den größten Landesverbänden - NRW und Baden-Württemberg - und Dörings gelegentliche Querschüsse in Richtung Parteispitze waren wohl die Ursache.

In welche politische Richtung geht die FDP nach Bremen? Für viele junge Delegierte wurde bei diesem Parteitag wieder einmal zu wenig über die Strategie gestritten. Über das Für und Wider des Meisterbriefs und die Türkei in der EU wurde am längsten diskutiert. Die Gegner von Westerwelles Modell einer "Partei für das ganze Volk" kamen nicht aus der Deckung. Der vom Parteichef ausgegebene Weg einer "geistig-moralischen Wende" für das Land erinnerte die Jungen mehr an die Helmut-Kohl-Zeit, als an liberalen Aufbruch.

Darin steckt das Dilemma der Westerwelle-FDP, das der Vorsitzende so umschreibt: "Die Themen der Zeit bewegen sich auf die Themen der FDP zu." Nur: Über diese Themen entscheiden derzeit die großen Parteien und die Grünen und nicht die kleine FDP. Mit Umfragewerten um die sechs Prozent wird sie nicht so richtig wahrgenommen. Um das zu ändern, wollen die Freien Demokraten so rasch wie möglich wieder an die Macht - am liebsten über baldige Neuwahlen.

Die Koalitionsfrage, vor der Bundestagswahl bevorzugtes Reizthema, ist derzeit bei der FDP beantwortet. Auf absehbare Zeit kommt als Partner nur die Union in Frage. Auch dem "Projekt 18" zog Westerwelle die Zähne. "Die FDP ist keine Partei für Champagner-Trinker", sagte er. "Sie ist zuerst eine eigenständige Partei und erst in zweiter Linie Koalitionspartner." Zahlenspiele als Wahlziele gab es Bremen keine.

Wie lange der neue Schwung in der FDP halten wird, hängt nicht nur vom neuen Selbstbewusstsein Westerwelles ab: "Wir wollen den anderen Parteien Feuer unter dem Hintern machen." Schon im Sommer könnte sich das ändern. Dann will Möllemann darüber entscheiden, ob er politisch wieder auf die Matte geht - etwa mit einer Konkurrenz-Partei, wusste sein persönlicher Freund Wolfgang Kubicki zu berichten. "In dem Moment sind wir dann politische Gegner, habe ich ihm gesagt", fügte der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef hinzu.

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