Nur Dax-Wert Adidas kann von derzeitiger Währungsentwicklung profitieren
Dollar-Schwäche verhagelt Gewinne

Neben Irak-Krise und schwacher Konjunktur erschwert nun auch der schwache Dollar deutschen Großunternehmen eine Prognose. Fest steht: Viele Firmen leiden unter der weichen US-Währung. Doch einigen nützt sie sogar.

FRANKFURT/M. Ein lange vernachlässigtes Thema steht urplötzlich bei Bilanzpressekonferenzen deutscher Blue Chips ganz oben an. Nicht nur bei Schering wurde am vergangenen Freitag intensiv über Währungsrisiken diskutiert. Auch vielen anderen Dax-Werten bereitet der Blick auf die anhaltende Dollar-Schwäche inzwischen Sorgen. Gestern stieg der Euro über die Marke von 1,09 Dollar. Dadurch hat die US-Währung innerhalb eines Jahres gegenüber dem Euro gut 20 % an Wert verloren. Einige Unternehmen beschäftigen sich bereits mit der Thematik wie Siemens und Altana. Andere stellen sich gerade darauf ein.

Viele Analysten entwerfen inzwischen Szenarien, was die anhaltende Dollar-Schwäche für Jahresprognosen bedeutet. Diese stehen ohnehin auf Grund der unsicheren Wirtschaftslage auf tönernen Füßen. Fünf Szenarien gilt es nach Angaben von HSBC Trinkaus & Burkhardt dabei zu bedenken: Erstens die Transaktionskomponente. Hier geht es um auf Dollar lautende Umsätze für die im Euro-Raum hergestellte Waren. Ihre Erlöse sinken nun. Zweitens spielt die so genannte Translationskomponente ein Rolle. Diese betrifft Tochtergesellschaften mit Sitz in den USA, deren Umsatz und Gewinn im Konzernabschluss in Euro umgerechnet werden. Auch hier gilt: Ihr Beitrag zur Konzernbilanz sinkt. Ein Vorteil ist dagegen drittens, dass die Preise für Rohstoffe wie Öl oder Metall in Dollar festgesetzt werden, was für verarbeitende Unternehmen im Euro-Raum die Kosten senkt. Viertens ist ein weiterer Vorteil, dass viele Unternehmen ihre US-Aktivitäten mit Dollar-Krediten finanzieren. Zins und Tilgung verringert sich - gemessen am Euro-Gegenwert. Und schließlich fünftens gilt es für Analysten noch zu prüfen, welche Unternehmen sich gegen einen schwachen US-Dollar abgesichert haben. Die vorläufige Bestandsaufnahme der Bankexperten ist eindeutig: Nur wenige Aktien werden von der Dollar-Schwäche profitieren, etliche darunter leiden. Spurlos geht sie nur an wenigen vorbei wie an der Deutschen Börse oder Metro - Unternehmen, die fast ihren gesamten Umsatz in Euro einfahren.

Zu den wenigen Gewinnern zählt nach Expertenschätzung von HSBC Trinkaus & Burkhardt vor allem Adidas-Salomon. Die Franken zahlen 80 % ihrer Herstellungskosten in Dollar, erlösen jedoch nur 40 % der Einnahmen in US-Währung. Eine Dollar-Abwertung von 20 % wie derzeit würde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach Berechnungen von Trinkaus-Stratege Volker Borghoff in diesem Jahr um 12 % steigern. "Das Unternehmen ist einer der größten Profiteure der derzeitigen Dollar-Schwäche", heißt es auch aus dem Hause ING-BHF. Hier gehen die Experten sogar davon aus, dass 85 % der Herstellungskosten in Dollar anfallen.

Als weiterer Gewinner des schwächelnden Greenbacks gilt Lufthansa. Die Fluggesellschaft selbst hat bereits ein Szenario entworfen, wonach eine 10 %ige Dollarabwertung innerhalb eines Jahres den Betriebsgewinn um 67 Mill. Euro erhöht. Für das erste Halbjahr hat sich die Kranichlinie zudem gegen einen um 40 % steigenden Ölpreis abgesichert. Erst wenn dieses Hedging jedoch ausläuft, sieht Borghoff erhebliche Risiken. Auch die Deutsche Telekom könnte seiner Ansicht nach von der Währungsentwicklung profitieren, da lediglich über die US-Mobilfunktochter Voicestream bedeutende Kosten und Umsätze in US-Dollar anfallen. Diese werden in der Bilanz des Geschäftsjahres 2002 zum Kurs von 1,0573 Dollar umgerechnet.

Zu den großen Verlierern zählen die Bereiche Chemie und Pharma. Die Schering-Verwaltung nannte am Freitag die Faustregel, dass eine Veränderung des Euro/Dollar-Verhältnis um 0,05 Euro das Nettoergebnis um 1 % verändern dürfte. Für das erste Quartal 2003 erwarten die Experten des Finanzdienstleisters Equinet einen negativen Einfluss auf das Nettoergebnis von 3 %. Trotzdem gilt die Aktie derzeit als immer noch unterbewertet. Bei BASF rechnet die Verwaltung ähnlich: Die Abwertung des Dollar um 1 Cent schmälere das Ebit um 17 Mill. Euro, heißt es. Das exzellente Ergebnis 2002 dürfte sich daher kaum wiederholen lassen.

Gegen Währungsrisiken sind viele Unternehmen derzeit noch abgesichert. Deswegen dürfte das langfristige Problem in einer verschlechterten Situation gegenüber US-Wettbewerbern liegen. Die Preisgestaltung für neue Aufträge wird auf alle Fälle schwieriger. Thyssen-Krupp beispielsweise könnte besonders betroffen sein, rechnet Experte Borghoff, aber auch Siemens und MAN.

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