Nur die besten Regionalbanken sind Großbanken überlegen: Größe allein ist kein Erfolgsgarant

Nur die besten Regionalbanken sind Großbanken überlegen
Größe allein ist kein Erfolgsgarant

Privatbanken sind mittelfristig betrachtet die rentabelste und effizienteste Bankengruppe in Europa. Die Verlierer, gemessen an der durchschnittlichen Eigenkapitalrendite und Kosteneffizienz, sind die europäischen Regionalbanken. Großbanken behaupten sich auf einem Mittelplatz. Jenseits der Durchschnittswerte zeigte sich jedoch, dass die erfolgreichsten Regionalbanken besser dastehen als die besten Großbanken. Zu diesen Ergebnissen kommt die Bankberatung Zeb Rolfes Schierenbeck nach der Analyse der Jahresabschlüsse von 3550 europäischen Banken für die Jahre 1997 bis 2001.

nw FRANKFURT/M. Während Privatbanken im Schnitt von 1997 bis 2001 eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 19,6 % erwirtschafteten, ging sie bei den Regionalbanken in den letzten drei Jahren um ein Fünftel auf 10,7 % zurück. Die Großbanken in Europa erreichten 17,3 % zwischen 1999 und 2001 nach 19,7 % im Zeitraum 1997 bis 1999. Auch bei der Kosten-Ertrag-Relation stehen die Regionalbanken im Schnitt deutlich schlechter da. Sie müssen für einen Euro Ertrag 72 Cents bezahlen, die Privatbanken 69 Cents, die Großbanken 65 Cents.

Zeb-Partner Andreas Rinker warnt aber vor dem Schluss, dass Regionalbanken allein wegen mangelnder Größe im Nachteil seien. "Größe allein ist im Bankenmarkt kein Garant für gute Ergebnisse", sagte er. Die besten Regionalbanken in Europa arbeiteten wesentlich effizienter als die besten Großbanken. Erfolgreiche Regionalbanken haben laut Oliver Rosenthal, Leiter der Studie, vor allem im Vertrieb Wettbewerbsvorteile. "Sie haben ihre Kunden segmentiert und ihre Produkte nach verschiedenen Kundengruppen differenziert, was die Kosten senkt. Außerdem haben die erfolgreichen Institute ein gutes Vertriebscontrolling. Sie kennen im Detail die Deckungsbeiträge ihrer Kunden, Produkte sowie der Filialen und steuern das Geschäft nach diesen Kennziffern", sagte Rosenthal am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Bei der Mehrzahl der deutschen Regionalbanken sei das Vertriebscontrolling hingegen noch eine "Riesenbaustelle", sagte Rinker. Sie hätten das Problem erkannt, setzten die Lösungen aber zu langsam um. Zwar lägen die IT-Investitionen in einer "überschaubaren Größenordnung", doch das unternehmerische Denken sei in den Instituten noch nicht weit genug verbreitet. Bis die Infrastruktur für eine detaillierte Deckungsbeitragsrechnung steht und das Management diese Informationen richtig für die Bankführung nutzt, vergehen laut Rinker anderthalb bis drei Jahre. "Aber die Banken brauchen das Vertriebscontolling, um zu wissen, wo sie Geld verdienen und wo sie Geld verlieren", sagte er. Zwar hätten Zeb-Analysen gezeigt, dass dieses Instrumentarium bisher vor allem von großen Banken im Vertrieb eingesetzt werde. Doch sei dessen erfolgreiche Anwendung nicht an eine Mindestgröße gebunden.

Insgesamt sei die Konzentration, gemessen als Anteil der fünf größten Institute an der kumulierten Bilanzsumme, in Europa in den letzten Jahren gestiegen, aber mit großer Bandbreite: Die höchste Konzentration gibt es laut Zeb mit 88 % in Schweden. In Deutschland hielten die fünf Größten nur ein Fünftel des Gesamtmarktes. Tendenziell würden zwar mit steigender Konzentration im Schnitt die Renditen steigen und die Relation von Kosten zu Ertrag sinken. Das liege aber weniger an dem hohen Marktanteil der Spitzeninstitute, sondern daran, dass kleine Banken in hochkonzentrierten Märkten wesentlich effizienter und rentabler arbeiteten.

Quelle: Handelsblatt

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