Nur die ganz großen Vermögensverwalter werden überleben
Börsengehandelte Fonds – Boom in der Baisse

Die schlechten Meldungen von den Börsen reißen nicht ab. Das Anlegerinteresse an Aktien ist geschwunden. Aktien-Indexfonds mit geringen Gebühren werden dagegen immer populärer. Das gilt insbesondere für jene Produkte, die dank Börsennotierung vergleichsweise unkompliziert geordert werden können.

HB FRANKFURT. Die neuesten Zahlen bestätigen: Das Geschäft mit börsengehandelten Investmentfonds ("Exchange Traded Funds", ETF) in Europa steuert weiter Wachstumskurs. Experten rechnen mit einer Vervielfachung des verwalteten Vermögens in nur wenigen Jahren. Der Boom dürfte weitere Asset Manager in dieses Geschäftsfeld locken. Auf längere Sicht erwarten Experten jedoch eine Konzentration auf wenige dominierende Häuser - ähnlich wie im ETF-Heimatland USA.

ETF?s werden wie Aktien während der gesamten Börsenzeit gehandelt. Es sind in der Regel Aktien-Indexfonds ohne Ausgabeaufschlag und mit niedrigen laufenden Gebühren. Der Kunde kann die Order mit einem Limit versehen und auf diese Weise einen Höchst- beziehungsweise Mindestpreis festlegen. Bei traditionellen Investmentfonds wird dagegen nur einmal täglich ein Preis errechnet. Institutionelle Anleger können ETF?s unter anderem für kombinierte Kassa/Terminmarktstrategien einsetzen, was bei traditionellen Fonds unmöglich ist.

In Europa summiert sich das in rund 100 Produkten angesammelte ETF-Vermögen auf 8,5 Mrd. Euro. Michael Maras, Leiter des Equity-Linked Research bei Merrill Lynch in London, hält ein Volumen von 30 bis 40 Mrd. Euro in fünf Jahren für realistisch. Noch optimistischer ist Mark Roberts von Barclays Global Investors. Der ebenfalls in der City ansässige Verantwortliche für die ETF-Produktstrategie prognostiziert in drei Jahren ein Vermögen in der Größenordnung von 30 bis 50 Mrd. Euro. Auf kürzere Sicht von zwei Jahren liegen 20 Mrd. Euro in Reichweite. Diese Schätzung stammt von Jean Francois Schock, Vertriebschef Europa bei State Street Global Advisors in Brüssel.

Alle drei genannten Häuser zählen zu den führenden Asset Managern in Europa bzw. Amerika. In Übersee erreicht das ETF-Vermögen nach einem Boom in den vergangenen Jahren 90 Mrd. Dollar. Weiteres Wachstum scheint programmiert. "Es sollte mit einigen Jahren Verschiebung den Vorgaben aus Amerika folgen, wo sich das Vermögen jedes Jahr fast verdoppelte", meint Roberts von Barclays. In Europa wurde diese Art von Produkten erst im Frühjahr 2000 lanciert, wobei die Deutsche Börse AG eine Pionierrolle übernahm. Das Handelsvolumen an den europäischen ETF-Segmenten sprang im Juli im Vergleich zum Vormonat um 1,3 auf 7,2 Mrd. Euro.

Es gibt acht europäische Handelsplätze, wobei die Frankfurter Börse und Euronext dominieren, während in USA die American Stock Exchange fast den gesamten Handel auf sich zieht. "Wegen des fragmentierten europäischen Marktes" rechnet Deborah Fuhr, bei Morgan Stanley in London verantwortlich für das europäische und asiatische ETF-Research, "mit dem Eintritt weiterer Asset Manager in das Geschäft". Ein Dutzend Fondsgesellschaften sind aktiv. In der Liste nach verwaltetem Vermögen führen Merrill Lynch und die zur Hypo-Vereinsbank-Gruppe gehörende Indexchange vor Societe Générale mit ihrer Lyxor Asset Management (Grafik). Sie kommen auf 61 % Marktanteil. In den USA sind faktisch nur drei große Spieler im Rennen: State Street, Barclays und Bank of New York.

Laut Indexchange-Vorstand Andreas Fehrenbach sprechen viele Argumente für ein weiteres Wachstum der ETF-Branche in Europa. Die extremen täglichen Kurs- und Indexschankungen seien kein Hemmnis: "Im Gegenteil, bei hoher Volatilität können Institutionelle die Produkte noch besser als Tradinginstrumente einsetzen." Maras von Merrill zufolge sind die im Vergleich zu USA relativ hohen Managementgebühren für die Asset Manager reizvoll. Eine weitere Prognose: "Die ETF-Gesellschaften werden außerdem der traditionellen Indexfondsbranche Marktanteile abjagen."

Der Merrill-Mann rechnet jetzt mit einer Tempoverlangsamung bei der Auflage neuer Produkte. In den nächsten drei bis vier Jahren erwartet er sinkende Management-Gebühren und in diesem Zuge - analog zur Entwicklung in Amerika - eine Konzentration auf wenige Anbieter: "Wenn die Gebühren auf Jahressätze von 0,20 bis 0,25 % fallen und sich damit halbieren, werden kaum mehr als drei bis vier große Adressen übrig bleiben." Roberts von Barclays sieht ganz ähnlich "vier bis fünf Gesellschaften dominieren, und das werden jene sein, die ihre Produkte offensiv vermarkten." Ihm zufolge schlägt nach zwei Jahren des Aufbaus umfassender Produktpaletten jetzt die Stunde des Marketings: "Viele institutionelle Anleger in Europa wissen noch gar nicht, wie sie ETF sinnvoll einsetzen können."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%