Nur die Großen werden überleben – Kritik an Geschäftspolitik der Bavaria
Harte Zeiten für kleine Filmproduzenten

Die Flaute trifft vor allem die vielen kleinen Produktionsfirmen, denen derzeit die Aufträge der Fernsehsender fehlen. Branchenführer Bavaria dagegen verstärkt sich.

jojo MÜNCHEN. In vielen kleinen Filmproduktionsfirmen werden die Scheinwerfer wohl bald nicht mehr leuchten. "Die gesamte Branche muss sich auf niedrigere Wachstumsraten einstellen", warnt Wolfgang Seufert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Autor einer am Mittwoch vorgelegten Studie zur Film- und Fernsehwirtschaft in Deutschland erwartet, dass unter der Flaute vor allem Firmen mit wenigen Millionen Euro Umsatz leiden.

Seit Monaten halten sich die großen deutschen Fernsehsender mit Aufträgen zurück, weil sie wegen geringerer Werbeeinnahmen sparen müssen. Das trifft die Produktions-Branche hart. Darüber hinaus ist mit dem Ende des Börsenbooms auch eine wichtige Finanzierungsquelle ausgetrocknet.

Und noch etwas macht den Produzenten zu schaffen: "Es gibt eine wachsende Verflechtung von TV-Sendern und Produzenten", sagt Seufert. Das heißt, die Fernsehsender produzieren immer mehr Filme mit eigenen Firmen. Damit versuchten sie, ihr Risiko zu mindern und die Kosten besser unter Kontrolle zu halten.

"Die ARD-Sender wollen die Wertschöpfung im eigenen Haus behalten", klagte Johannes Kreile, Geschäftsführender Justitiar des Bundesverbandes Deutscher Fernsehproduzenten, bei der Vorstellung der DIW-Studie in München. Was die Branche am meisten ärgert ist der steigende Einfluss der ARD auf die Bavaria Film GmbH. Ende September soll die gegenseitige Beteiligung von Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) und Bavaria besiegelt werden.

Die Münchener sind einer der größten deutschen Filmproduzenten und gehören bislang mehrheitlich den öffentlich-rechtlichen Anstalten WDR, SWR, BR sowie dem Freistaat Bayern. Jetzt will sich Bavaria an Produktions- und Dienstleistungstöchtern des MDR beteiligen. Im Gegenzug steigen die Ostdeutschen bei den Bayern ein.

Die unabhängigen Produzenten befürchten, dass Bavaria ihnen durch die neue Allianz mit dem MDR einen weiteren Teil des schrumpfenden Marktes wegnimmt. Kreile ärgert sich, dass SWR und MDR schon heute einen großen Batzen ihrer Produktionen an Töchter vergeben. "Eine vernünftige Auftragsvergabe der Sender wird ein Produzentensterben verhindern", zeigt sich der Film-Funktionär sicher.

Bavaria-Geschäftsführer Dieter Frank sieht trotz der künftigen Verbindung mit dem MDR viel Platz für die Konkurrenz. Bei einem Marktanteil von Bavaria von 7 % hätten "auch Kleinstunternehmen künftig eine Chance". Für Frank sind die neuen Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II die größte Bedrohung der Filmwirtschaft. Dadurch sei ein Drittel des Kreditvolumens der Industrie in Frage gestellt, weil die Banken bei der Vergabe von Darlehen strengere Kriterien anwenden müssten.

Die wirtschaftliche Situation der Filmproduzenten ist allerdings äußerst unterschiedlich. Laut DIW-Studie legen viele kleine Produzenten bei ihren Filmen sogar drauf. Im Schnitt verzeichnet die Branche eine magere Umsatzrendite von 3 %. Staatlicher Schutz für die Mini-Firmen, wie ihn der Chef der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Wolf-Dieter Ring, erwägt, wird nicht überall gern gesehen: "Da besteht kein Handlungsbedarf für die Politik", sagt Sat 1-Chef Martin Hoffmann. Entscheidend für Sat 1 sei ausschließlich die Kreativität der Produzenten.

Quelle: Handelsblatt

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