Nur die Mutter ist pleite
Drehbuch der Holzmann-Insolvenz

dpa FRANKFURT. Das Insolvenzverfahren für die zahlungsunfähige Philipp wird wohl viele Monate dauern. Dabei ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass in Folge der bislang spektakulärsten Baupleite noch eine Reihe weiterer mittelständischer Unternehmen untergehen wird. Auch bei Holzmann selbst sind noch zusätzliche böse Überraschungen zu befürchten. Der Vorstand des Frankfurter Bauriesen hat nämlich lediglich für die AG den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Nach aktueller Rechtslage sind nur Verfahren über Einzelunternehmen möglich. "Das kann die Arbeit des Insolvenzverwalters erheblich erschweren", weiß der Mainzer Rechtsanwalt Wolfgang Petereit aus Erfahrung mit eigenen komplizierten Fällen. Wenn nun auf Grund der akuten Zahlungsunfähigkeit der Konzern-Mutter die eine oder andere Holzmann- Tochter in den Pleitesog gerät, muss ein gesondertes Insolvenzverfahren beantragt werden.

Für den vorläufigen Insolvenzverwalter der Philipp Ottmar Hermann, kann dies bedeuten, künftig mit mehreren Kollegen an einem Tisch zu sitzen, die für Holzmann-Töchter zuständig sind. Dabei tauchen häufig unterschiedliche Interessen auf und führen zu harten Kontroversen.

Bis es dazu kommt, muss allerdings erstmal das Insolvenzverfahren förmlich eröffnet werden. Zunächst hat der versierte Insolvenzanwalt Hermann festzustellen, ob genügend Vermögen vorhanden ist, ein Verfahren abwickeln zu können. "Das es bei Holzmann zu einer Eröffnung kommt, dürfte sicher sein - es ist ausreichend Masse vorhanden", prognostiziert Petereit. Er ist Sprecher des Gravenbrucher Kreises, ein Zusammenschluss renommierter Insolvenz- Experten.

Schon bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens werden voraussichtlich drei Monate ins Land gehen. Neben der schwierigen Ermittlung sämtlicher Vermögenswerte, Forderungen und Schulden bei einem weltweit operierenden Unternehmen spielt dabei auch das Arbeitsamt eine Rolle. Die Arbeitsverwaltung zahlt - rückwirkend vom Eröffnungsdatum - für drei Monate die Löhne und Gehälter der Beschäftigten ("Insolvenzgeld"). Diese Sicherheit - auch im Interesse der Belegschaft - wird von den eingesetzten Rechtsanwälten gerne in Anspruch genommen.

Nach förmlicher Eröffnung des Verfahrens agiert der Insolvenzverwalter faktisch als Vorstandschef und muss über alle Geld- und Vermögenstransfers entscheiden. Hauptaufgabe ist es zu prüfen, welche Unternehmensteile saniert, profitabel fortgeführt und an Interessenten veräußert werden können. Dazu wird auch ein Insolvenzplan erstellt.

Im Gegensatz zum klassischen Konkursrecht, dessen Ursprünge auf 1871 zurückgehen, steht nach der Insolvenzreform vor einigen Jahren nicht nur das finanzielle Interesse der Gläubiger im Vordergrund. Auch die Fortführung eines Unternehmens - nicht zuletzt im Interesse der Belegschaft - muss der Insolvenzverwalter im Auge behalten. Dazu steht ihm der Gläubigerausschuss als Unterstützer und Kontrolleur zur Seite. Dieser geht wiederum aus der Gläubigerversammlung hervor, dem Banken, Arbeitnehmer, Zulieferer und sonstige Gläubiger angehören. Auch dabei prallen häufig unterschiedliche Interessen aufeinander, die der Insolvenzverwalter austarieren muss.

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