Nur die wenigsten Unternehmen haben Konzepte zur strategischen Personalentwicklung
Karriereberater: Stichwort Fortbildung

Karriere hat viele Facetten: Neben dem klassischen Aufstieg sind das auch eine horizontale Aufgabenerweiterung, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder eine Aufgabe, die erfüllt und die eigene Entwicklung vorantreibt.

DÜSSELDORF. Eben diese eigene Entwicklung ist es, die durch Seminare und andere Fortbildungen gefördert werden soll. Und weil jede neue Managementmethode neue Gurus, sowie Heerscharen von Trainern und Beratern mit sich bringt, ist das Angebot an Weiterbildung quasi unerschöpflich. Doch nicht umsonst schieben immer mehr Organisationen dem Seminartourismus einen Riegel vor, und nicht umsonst erleben wir häufig Mitarbeiter, die himmelhoch begeistert aus einem Kurs zurückkommen und dann zutiefst enttäuscht sind, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Der bloße Besuch vieler Veranstaltungen macht weder die Teilnehmer glücklicher oder schlauer, noch bringt er die Organisation weiter.

Warum ist das so? Weil die wenigsten Unternehmen Konzepte zur strategischen Personalentwicklung haben, die das Anforderungsprofil und die aktuellen Kompetenzen des Mitarbeiters berücksichtigen, und nicht nach dem Gießkannenprinzip wahllos Fortbildungen verteilen. Und weil viele Mitarbeiter nicht wissen, welche Maßnahmen sie wirklich brauchen, weil sie gar keine exakte Vorstellung haben, was sie mit ihrem (Berufs-)Leben anfangen werden.

Nehmen wir das Thema Führungskompetenz. Schier unendlich sind die Angebote zu diesem Thema. Und da kommt ein britisches Institut nach über einer Million Interviews und 35 Jahren Erfahrung zu dem Schluss, dass Führungsqualität mehr mit Selbstdisziplin, Zielorientierung und Vertrauen in die Mitarbeiter zu tun hat, als mit antrainierten Kompetenzen wie Delegationsfähigkeit oder die Beherrschung ausgefeilter Führungstheorien. Dem stimmt wohl jeder zu, der schon einmal einen chaotischen Chef erlebt hat, der trotzdem erfolgreich und beliebt seinen Weg geht.

Das ist es eben: Er geht seinen Weg und nicht den von Trainern und Beratern gepredigten. Was zählt, ist das Entdecken der eigenen Potenziale. Die dazugehörigen Fähigkeiten werden durch Seminare eher freigelegt denn entwickelt.

Machen Sie sich also während Ihres x-ten Seminars über Zeitmanagement, Leadership oder Rhetorik doch einmal Gedanken über Ihre Ziele und wie Sie sie erreichen können. Und wenn Sie Gruppenarbeit mögen, laden Sie ein paar Freunde ein und bitten Sie sie, Ihnen dabei Gesellschaft zu leisten. Folgende Gedanken können Ihnen dabei helfen:

Welche Standardprobleme tauchen in Ihrem (Berufs-)Leben auf?

Welche davon wollen Sie wirklich bearbeiten? Kann es sein, dass Sie sich gar nicht besser organisieren möchten, weil Ihr übervoller Terminkalender, Ihre Hetzerei von Meeting zu Meeting, das "Nie Zeit haben" Ihnen in Wahrheit dazu dient, wichtig und beschäftigt zu erscheinen und Sie anstelle des Zeitmanagementseminars besser Ihr Selbstbewusstsein studieren sollten?

Was genau wollen Sie lernen? Was wollen Sie verändern? Sind Sie wirklich bereit, etwas zu verändern? Was nutzt Ihnen Ihr Nicht-Können?

Geht es darum, eine bestimmte Technik zu erlernen, oder wollen sie Verhalten ändern?

Was ändert sich, wenn Sie das Gewünschte gelernt haben? Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Gelernten? Ist es das, was Sie wollen?

Wie ist der Transfer in Ihren Alltag sichergestellt?

Welche Form der Arbeit ist für Sie die Richtige? Können Sie von der Erfahrung anderer oder gemeinsam mit anderen lernen, oder kommen Sie Ihren Zielen in einem Coachingprozess näher?

Haben Sie all die Dinge, die Sie in Wahrheit schon ganz gut beherrschen, bereits in die Tat umgesetzt? Oder dient die Maßnahme eher der Devise "das Unmögliche zu wollen, um das Mögliche nicht zu tun"? Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie ab jetzt konsequent, sofort und ehrlich Ihren Mitarbeitern Feedback gäben, statt weiterhin über Konfliktgespräche zu theoretisieren. Oder die unangenehmen Gespräche, für die Sie trotz perfekt gelernten Zeitmanagements keine Minute haben, einfach führen? Oder erkennen, dass ein demotivierter Mitarbeiter durch keine Leadershiptheorie dieser Welt zu führen ist.

Was könnten Sie sich anstelle der Weiterbildungsmaßnahme Gutes tun? Wenn das Essen mit Freunden Ihnen hilft, ein besserer Zuhörer zu werden, zu akzeptieren, dass der Blick auf die Wirklichkeit ein anderer als Ihrer sein kann, Menschen zu begeistern, ihren Wünschen und Bedürfnissen näher zu kommen, dann lassen Sie bei der nächsten Gelegenheit die Bildung doch einfach einmal fort.

Die Autorin ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Unternehmens- und Personalberatung Jahrreiss & Partner, München.

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