Nur drei Tunnels erhielten die Note "sehr gut"
Acht von 30 Autoröhren fielen im ADAC-Test durch

Trotz der schweren Tunnelkatastrophen in der jüngsten Vergangenheit weisen laut ADAC noch immer zahlreiche europäische Straßentunnel erhebliche Sicherheitsmängel auf.

dpa/wiwo/ap MÜNCHEN. Bei Brandschutz, Lüftung und Fluchtwegen weisen viele wichtige Straßentunnels in Europa nach ADAC-Angaben noch erhebliche Sicherheitsmängel auf. Erstmals fiel mit dem Kappelberg-Tunnel an der Bundesstraße 14 bei Stuttgart auch ein deutscher Tunnel mit der Gesamtbewertung "bedenklich" durch. Der ADAC appellierte an die Autofahrer, mit besonnener Fahrweise selbst zu mehr Sicherheit in den Tunnels beizutragen.

"In 8 von 30 Tunnels gibt es immer noch keine zusätzlichen Flucht- und Rettungswege", sagte ADAC-Experte Robert Sauter. "Somit weist fast jeder 4. der getesteten Tunnels diesen gravierenden Mangel auf." Auch bei Notbeleuchtung, automatischer Branderkennung, Verkehrsüberwachung und Notfallorganisation hat der ADAC in Zusammenarbeit mit anderen Autoclubs in Europa erhebliche Defizite festgestellt.

Mit der Gesamtnote "sehr gut" wurden nur drei Tunnels bewertet: der nach der Brandkatastrophe von 1999 mit 39 Toten komplett sanierte Montblanc-Tunnel in Frankreich, der Cointe in Belgien und der Wijker in den Niederlanden. Alle drei hätten mehr als 95 Prozent der möglichen Punkte erreicht und "kommen damit dem Ideal eines modernen Tunnels schon sehr nahe", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer.

6 Tunnels erzielten die Note "gut", 13 lagen mit "ausreichend" im Mittelfeld. Durchgefallen dagegen sind 3 unterirdische Verbindungen mit "bedenklich" und 5 mit "mangelhaft". Die Schlusslichter sind die Anlagen San Juan in Spanien, Løvstakken in Norwegen, die Nord- und die Südröhre des Blackwall in Großbritannien sowie der Testverlierer Loibl, der das österreichische Bundesland Kärnten mit Slowenien verbindet. Die Behörden in Österreich hätten hier bis Ende kommenden Jahres aber eine umfangreiche Sanierung angekündigt, sagte Meyer. Tunnels in Italien habe man erneut nicht berücksichtigen können, weil die dortigen Behörden Tests wie in den Vorjahren verweigert hätten.

Von den beiden neben dem Kappelberg getesteten Anlagen in Deutschland schnitten der Britz-Tunnel an der A 100 in Berlin mit der Note "gut" und der Rheinufer-Tunnel an der B 1 in Düsseldorf mit "ausreichend" ab. ADAC-Präsident Meyer nannte es unverständlich, dass es für den Kappelberg-Tunnel trotz der hohen Belastung von täglich rund 84 000 Fahrzeugen keine Einschränkungen für Gefahrguttransporte gebe. Das Unglück am Montblanc habe gezeigt, wie unverantwortlich solche großzügigen Regelungen seien.

Der ADAC begrüßte es, dass die EU-Kommission nach den Unglücken im Montblanc-Tunnel, im Tauern-Tunnel ebenfalls im Jahr 1999 mit 12 Toten und im Gotthard-Tunnel vom Oktober 2001 mit 11 Toten nun verbindliche Sicherheitsvorschriften für neue und bestehende Tunnels plane. Dieses Regelwerk werde voraussichtlich noch in diesem Jahr von der EU-Kommission verabschiedet und müsse dann in nationales Recht umgesetzt werden, sagte Meyer. Bei dem EU-Vorhaben würden auch die Erfahrungen des ADAC berücksichtigt, der seit 1999 mehr als 120 Tunnels in Europa unter die Lupe genommen habe.

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