Nur ein Bruchteil der Kapazitäten wird über Online-Handelsplattformen wie Eutex und Band-X abgewickelt
Börsen machen Telefonminuten billiger

Online-Börsen handeln mit Telefonminuten wie andere mit Sojabohnen oder Frischfisch. Jetzt hat eine neue Börse den Handel aufgenommen: die Eutex. Doch das Geschäft läuft schleppend.

DÜSSELDORF. Mehr als 100 Milliarden Minuten verbringt die Menschheit pro Jahr am Telefonhörer. Ginge es nach dem Willen der Telekom-Gesellschaften, könnten die Menschen viel mehr telefonieren, denn die Leitungen sind nicht ausgelastet. Die Unternehmen haben die Wahl: Sie finden sich damit ab, oder sie verschleudern ihre Überschüsse zu günstigen Preisen. Zum Beispiel auf der Internet-Seite von Dirk Reupke: Er betreibt im Web eine Telefonminuten-Börse, die "European Telco Exchange" (Eutex). Reupke vermittelt Redezeiten im weltweiten Telefonnetz: 500 000 Minuten nach Russland hat er zum Beispiel im Angebot, 500 000 Minuten nach Haiti werden gesucht.

Die Idee stammt aus Großbritannien und den USA. Band-X und Arbinet waren weltweit die ersten Börsen dieser Art. Sie dealen seit etwa vier Jahren mit Telefon- und Internetminuten, Kapazitäten in Überseekabeln und auf Richtfunkstrecken - den wichtigsten Rohstoffen des Informationszeitalters. Band-X hat die deutsche Börse Hanse X übernommen. Eutex ist erst vor einigen Wochen mit dem kommerziellen Betrieb gestartet.

Studien prophezeien dem Minutenhandel ein Milliardengeschäft. Börsen machen den Markt schließlich transparenter, die Vorgänge effizienter. Dringend benötigte Kapazitäten sind schnell verfügbar. Gleichzeitig können andere Anbieter ihre Netze besser auslasten. In Deutschland kommt das Geschäft aber nur langsam auf Touren. Nur ein Bruchteil des Telefonaufkommens wird über die Börsen abgewickelt. Die Betreiber hüllen sich über ihre vermutlich mageren Umsätze in tiefes Schweigen.

Persönliche Kontakte prägen den deutschen Telefon-Markt und machen anonymen Internet-Marktplätzen das Geschäft schwer. Die Pleiten von Telekom-Anbietern haben die Zahl der potenziellen Börsenkunden und die gesunkenen Minutenpreise die Margen schrumpfen lassen. "Es ist ein enger Markt geworden für klassische Telefonbörsen", sagt Eckehard Wolf, Unternehmensberater bei PriceWaterhouseCoopers. Er sieht keinen Bedarf für eine weitere Börse.

Doch Eutex gibt sich zuversichtlich, ab 2003 will das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. Ausgerechnet die Pleiten lassen Reupke hoffen: "In Zeiten der Konsolidierung sind Börsen notwendiger denn je. Wir bieten eine Dienstleitung, mit der die Unternehmen ihre Kosten- und Risikostruktur optimieren können."

Der ehemalige Chef der Telefongesellschaft Talkline hat vor etwa zwei Jahren mit dem Aufbau der Börse angefangen. Der Start hat sich immer wieder verschoben. "Wir wollten es richtig machen, nicht zum billigen Jakob verkommen." Ein Qualitätscheck musste her, denn 100 000 Minuten in die USA sind nicht gleich 100 000 Minuten in die USA. Mal rauscht es, mal dauert es ewig, bis eine Verbindung zustande kommt, ein anderes Mal bricht alles zusammen. Die Eutex-Technik zeichnet daher die Qualität der Netze auf, die mit der Börse verbunden sind.

Mehr als zehn Anbieter hat Reupke von den Vorteilen überzeugt, darunter Talkline und Colt. Doch das reicht nicht. Mehr Unternehmen müssen her. Die Börse braucht eine kritische Masse: Solange nur wenig Firmen Kapazitäten anbieten, ist die Börse für Nachfrager nicht sonderlich interessant. Und so lange es nur wenig Nachfrage gibt, ist die Börse auch für Anbieter unattraktiv. Ein Teufelskreis, aus dem Reupke mit viel Überzeugungsarbeit ausbrechen will. Solange heißt es bei Konzernen wie der Deutschen Telekom: "Wir beobachten und beteiligen uns nur an Tests."

Die Konkurrenz Band-X, die weltweit agiert, probiert dagegen schon neue Betätigungsfelder aus: Band-X will nicht nur Rede- und Internetkapazitäten vermitteln, sondern den gesamten internationalen Telefonverkehr für Netzbetreiber managen. "Das ist die Zukunft, nicht das Trading allein", sagt Kai von Ludwig, Europachef von Band-X.

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