Nur ein Etappensieg
Kommentar: Microsoft muss weiter bangen

Das Urteil des US-Berufungsgerichts ist ein Erfolg für Microsoft - ein Sieg ist es nicht. Zwar haben die sieben Richter eine drohende Aufspaltung des weltgrößten Softwareunternehmens ausgesetzt. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass dieses Damoklesschwert von der unteren Instanz noch einmal hervorgeholt wird. Seit der Machtübernahme der industriefreundlichen Regierung von US-Präsident Bush hatte ohnehin niemand mehr damit gerechnet, dass das Gates-Imperium in seine Einzelteile zerlegt werden würde. Microsoft kann also mit dem Urteil zufrieden sein.

Wichtiger als die Frage der Aufspaltung ist für den Softwareanbieter jedoch, ob er auch künftig sein Betriebssystem Windows mit zentralen Softwareanwendungen zusammenbinden darf. Hierauf hat Microsoft seine gesamte Internetstrategie aufgebaut. Das neue Betriebssystem Windows XP, das im Herbst auf den Markt kommt, ist zum Beispiel eng verknüpft mit den Internetangeboten von Microsoft wie dem E-Mail-Dienst Hotmail oder Webseite MSN. Das Internet soll sich, so die Hoffnung von Bill Gates, den meisten PC-Nutzern als eine Microsoft-Welt darstellen.

Über die zentrale Frage, ob dieses Geschäftsgebaren gegen das Kartellrecht verstößt, hat das Berufungsgericht kein abschließendes Urteil gefällt. Vielmehr haben die Richter bekräftigt, dass Microsoft sein Monopol bei Betriebssystemen missbraucht habe. Die untere Instanz, an die der Fall zurückverwiesen wurde, wird diesen Punkt eingehend zu prüfen haben. Das letzte Wort wird jedoch die Regierung von US-Präsident Bush sprechen. Sie muss entscheiden, ob das Justizministerium seinen unter Clinton eingeschlagenen harten Kurs weiter verfolgt oder auf eine außergerichtliche Einigung abzielt.

Für den Wettbewerb wäre es besser, wenn die Kartellwächter in den USA hart blieben und Microsoft für die Bündelung von Aktivitäten harte Grenzen aufzeigten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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