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Nur ein kleines Strohfeuer

Soweit ist es nun also schon an der Börse gekommen. Mittlerweile reicht es aus, wenn Unternehmen ihre Geschäftsprognosen lediglich bestätigen, um Kursraketen zu zünden. So geschehen im Fall Dell. Auf einer Analystenkonferenz sagte das Management eigentlich nichts Außergewöhnliches. Es wurden lediglich die Erwartungen für das erste Quartal bekräftigt, dabei wurden sie schon vor Wochen ohnehin drastisch reduziert, so dass davon auszugehen war, dass es nun keine weiteren Enttäuschungen geben wird. Computer-, Software- und Chipaktien zogen am Donnerstag deutlich an.

Mittlerweile werden Anleger wieder verstärkt zum Einstieg in Internetaktien animiert. Yahoo und eBay konnten davon insbesondere profitieren. Der Internetallrounder Yahoo wird mit SAP zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen ein neues Joint Venture gründen, das Softwarelösungen für Unternehmensportale entwickelt. Hinter den Kulissen haben die Programmierer schon seit längerer Zeit gemeinsam getüftelt. Bereits im zweiten Quartal soll es auf Unternehmen zugeschnittene Angebote geben, teilten die Unternehmen mit. Während die deutsche Seite für technologische Lösungen verantwortlich ist, beschränkt sich Yahoo auf die Inhalte. Yahoo hat bisher schon für mehrere Unternehmen Intranet-Angebote aufgebaut, beispielsweise für den Bayer-Konzern und McDonald´s.

Investmenthäuser versuchen Mut zu machen. "In einem Jahr werden wir auf den Markt zurück schauen und sagen, dass er damals wirklich übertrieben tief gefallen ist", sagt beispielsweise die Chefstrategin von Bear Stearns. Bis dahin ist noch etwas Zeit und wer weiß, wie weit die Kursbarometer noch fallen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Auch Abby Joseph Cohen, ebenfalls Chefin im Bereich Strategie für Aktienanlagen, aber bei Goldman Sachs, spricht von einem unterbewerteten S&P 500-Index. Aber das hat sie schon öfter vergeblich gesagt. Die Daueroptimistin sieht den Dow Jones-Index sogar am Jahresende bei 13 000 Punkten.

Nur Merrill Lynch ist der kleine Miesepeter. Die Aktienexperten gehen davon aus, dass sich Technologiepapiere erst wieder - frühestens - im vierten Quartal 2001 erholen werden.

Die amerikanische Telekommunikationsbehörde wird in der nächsten Woche höchstwahrscheinlich die Zustimmung zur Voicestream-Übernahme durch die deutsche Telekom geben. Eine selbstgesetzte Prüfungsfrist von einem halben Jahr ist gestern ausgelaufen. Mit der Genehmigung wäre die letzte große Hürde für die Fusion genommen. Die Aktionäre haben bereits zugestimmt.

Am Donnerstag verbesserte sich der Nasdaq Index um 8,9 Prozent und legte damit den drittgrößten prozentualen Tagesanstieg seiner Geschichte hin.

Und dann der Freitag: Es folgte die Ernüchterung. Zu schnell, zu steil, zu stark sind die Börsenbarometer in die Luft gegangen. Die Anleger verschnauften und verkauften wieder die Aktien, die zuvor besonders stark gestiegen sind.

Anzeichen einer Erholung werden somit bereits im Keim erstickt. Anleger wollen zurzeit schon kleine Gewinne einstreichen - oder aber Verluste begrenzen. Damit schneiden sie sich dann aber auch ins eigene Fleisch, weil sie dadurch eine nachhaltige Genesung der Patienten Dow und Nasdaq verhindern.

Microsoft, Intel, Cisco Systems - die Branchengrößen sind in dieser Woche kräftig abgebürstet worden. Die Nasdaq dümpelt auf dem tiefsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren. Sie verlor im Wochenvergleich über sechs Prozent. Der Dow Jones Index notiert bei 9791 Punkten und gab knapp ein Prozent nach.

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