Nur ein Teil der Milliarden-Kredite ist gut abgesichert – Ausfälle drohen
Kirch-Pleite lastet auf BayernLB

Die Bayerische Landesbank gerät wegen zahlreicher wackeliger Kredit-Engagements unter politischen und wirtschaftlichen Druck. Insbesondere die Ausleihungen an die Kirch-Gruppe sind nur teilweise gut abgesichert. Um einen Teil des Geldes zu retten, will sich auch die Landesbank in größerem Umfang an der Kirch-Sanierung beteiligen.

MÜNCHEN. Der Chef der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, hat derzeit an vielen Fronten zu kämpfen. Die hinter der West/LB zweitgrößte Landesbank in Deutschland ist nicht nur mit gut zwei Mrd. Euro größter Kreditgeber der Kirch-Gruppe. Die Bank ist auch bei vielen weiteren Pleitefällen engagiert, nicht nur beim US-Konzern Enron, sondern auch beim Bauriesen Holzmann oder beim Flugzeugbauer Fairchild-Dornier. Auch bei der Schmidt-Bank, bei Herlitz oder Mühl sind die Bayern dabei. Und bei der angeschlagenen Walter Bau AG ist die Bayern LB neben Krediten mit einer Beteiligung von über 30 % an Bord.

Besonders die Kirch-Kredite schlagen hohe Wellen, nicht nur wegen der Frage nach der politischen Verantwortung, sondern auch wegen der wirtschaftlichen Folgen. Intern werden schon alle Szenarien geprüft. "Wir haben uns auf alle Eventualitäten vorbereitet", verlautet aus der Führung der Bank. Ein größerer Ausfall der Kirch-Kredite würden die Bank zwar treffen, könnte aber verkraftet werden, heißt es. Die Reserven, die in ihrer Höhe allerdings nicht beziffert werden, seien ausreichend. Auf die beiden Gesellschafter, zu je 50 % Bayern und die bayerischen Sparkassen, komme aus heutiger Sicht keine Nachschusspflicht zu.

Doch steht jetzt, wie bei allen Kirch-Banken, eine Sonderprüfung des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred) ins Haus. Und die Ratingagentur Fitch prüft bereits die Bonität. Siegfried Naser, als Präsident des Sparkassenverbandes Bayern Verwaltungsrat-Chef der Bank, versucht die Wogen dennoch zu glätten. "Die Kirch-Kredite sind banktechnisch ein ganz normaler Fall", sagte er dem Handelsblatt.

Die Bayern LB, die als Poolführerin der Kirch-Media-Banken agiert, will sich nun ebenfalls mit frischem Kapital an der Sanierung der Firma beteiligen. Wenn sich ein klares Konzept des Insolvenzverwalters abzeichne, werde die Bayern LB "bis zu einer gewissen Obergrenze" mitziehen, teilte Naser mit. Kirch Media braucht Kapital von mindestens einer Mrd. Euro, davon wird wohl einen erheblichen Teil die Bayern LB tragen müssen.

Von den zwei Mrd. Euro (knapp 1 % aller Bayern LB-Kredite), die Kirch bisher von der Bank bekommen hat, entfallen gut 1,1 Mrd. Euro auf die Formel 1-Finanzierung. Die Staatsbank hatte Kirch noch im vergangenen Jahr den Einstieg in den Rennzirkus ermöglicht, obwohl andere Privatbanken wie die Hypo-Vereinsbank schon abgewunken hatte. Partner bei der Transaktion waren die US-Investmentbanken JP Morgan Chase und Lehman Brothers. Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser, Vize des Verwaltungsrat der Bank, hat bereits die Sicherheiten für diesen Kredit im Detail bekannt gegeben. So seien bei der Bayern LB die 58,3 %-Beteiligung an der Formel 1 sowie 25,1 % an der inzwischen insolventen Kirch Media verpfändet. Zudem dient die 40 %-Beteiligung Kirchs am Axel Springer Verlag als zweitrangige Sicherheit. Erstrangig ist damit die Deutsche Bank besichert. Der Wert des Springer Paket könnte aber den Deutsche-Bank-Kredit übersteigen.

Sehr viel schlechter sieht es bei den übrigen Krediten von 900 Mill. Euro aus, die etwa zur Hälfte auf Kirch Media und Kirch Pay (Premiere) entfallen. Diese sind nach Angaben aus der Bank mit Filmrechten sowie mit Anteilen an der Kirch Media und an Kirch Pay gesichert. Wie viel diese Firmen noch wert sind, ist derzeit offen und hängt vom Insolvenzverfahrens ab. Ausfälle drohen also durchaus, schon für 2001 hatte die Bayern LB die Risikovorsorge auf fast 1,2 Mrd. Euro verdoppelt.

Quelle: Handelsblatt

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