Nur geringe Schuld
Ermittlungsverfahren gegen Riefenstahl eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ihr Ermittlungsverfahren gegen die umstrittene Filmemacherin Leni Riefenstahl eingestellt.

Reuters FRANKFURT. Die 100-jährige Regisseurin war der Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verdächtigt worden.

Wegen geringer Schuld, fehlenden öffentlichen Interesses und des hohen Alters der Beschuldigten habe die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des Gerichts bereits Ende September verfügt, von einer weiteren Strafverfolgung abzusehen, sagte Behördensprecher Job Tilmann am Freitag in Frankfurt. Das Ermittlungsverfahren war im August eingeleitet worden. Riefenstahl stand wegen ihrer Propagandafilme für die Nationalsozialisten jahrzehntelang in der Kritik.

Tatbestand der Verunglimpfung

Ermittlungen hätten zwar ergeben, dass die Beschuldigte in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" im April erklärt habe, "alle Zigeuner", die in ihrem Film "Tiefland" mitgewirkt hätten, nach Kriegsende wiedergesehen zu haben. Tatsächlich aber waren die meisten Spielfilm-Komparsen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten umgekommen. Indem Riefenstahl wissentlich dieses Schicksal der betroffenen Menschen in Abrede stelle, habe sie zumindest den Tatbestand der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener erfüllt, sagte Tilmann weiter. Sie habe sich aber auch in einer Unterlassungserklärung verpflichtet, diese Behauptung künftig zu unterlassen.

Riefenstahl konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr an ihre Filmerfolge während der Zeit der Nazi-Herrschaft anknüpfen. Anerkennung erhielt sie später als Fotografin für ihre Bildbände "Afrika" und "Unter Wasser".

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