Nur geringe Zinssenkung der US-Notenbank
Experten erwarten erst 2004 Zinswende

Anleger können mit Optionsscheinen und Zertifikaten am Auf und Ab der Anleihekurse verdienen.

FRANKFURT/M. Die Leitzinssenkung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend um einen Viertel Prozentpunkt auf ein Prozent war geringer als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Staatsanleihen in den USA und in Europa reagierten mit Kursverlusten und über das gesamte Laufzeitspektrum.

Dass die US-Notenbank am kommenden Dienstag das "Versäumte noch nachholen könnte", erwartet nur eine Minderheit der Marktteilnehmer. Vielmehr zeigt der US-Geldmarkt die Erwartung, dass der Leitzins bis Mitte nächsten Jahres auf dem erreichten 45-Jahres-Tief verharren und erst danach langsam anziehen wird.

Am Zinsabstand der Euro-Zone gegenüber den USA hat die Fed-Entscheidung jedoch kaum etwas geändert. Europa vollzog den Renditeanstieg in den USA gestern komplett nach. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten gestern um 15 Hundertstel Prozentpunkte höher bei 3,79 Prozent. Das waren 34 Hundertstel höher als die Rendite zehnjähriger US-Anleihen.

Dahinter steht, dass die Akteure kaum noch mit einer weiteren Zinssenkung im Euro-Raum rechnen und der Markt auch hier den Zeitpunkt der erwarteten Zinswende auf die erste Hälfte des nächsten Jahres vorverlegt hat.

"Der positive Zinsabstand passt nicht zur allgemein erwarteten Wirtschaftsentwicklung", sagte dazu Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Credit Suisse First Boston. Insbesondere die Renditen in den USA hält er für viel zu niedrig angesichts eines mittelfristig erwarteten realen Wirtschaftswachstums von rund 3 Prozent und einem nominalen Wachstum von 5 Prozent. Im Euro-Raum, für den mittelfristig ein nominales Wachstum von vier Prozent realistisch sei, müssten somit auch die Renditen langfristiger Anleihen niedriger sein.

Wie man an den Future-Sätzen am Geldmarkt ablesen kann, liegt dem Zinsvorsprung Europas die Erwartung zu Grunde, dass der US-Leitzins erst gegen Anfang 2007 bei einem Niveau von 3,75 Prozent den höheren Leitzins in der Euro-Zone einholt. "Ich rechne schon 2004 oder spätestens 2005 damit, dass der US-Leitzins den der EZB überholt", hält Callow dagegen.

Bislang haben Privatanleger in Deutschland nur wenig Möglichkeiten, auf zukünftige Zinsentwicklungen zu spekulieren. Das geht zunächst einmal mit klassischen Optionsscheinen und Zertifikaten auf den Bund-Future. Der Bund-Future bildet den Kursverlauf einer synthetischen Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Kupon von sechs Prozent ab, wobei der Kurs des Futures analog zum Kassamarkt sinkt, wenn die Zinsen steigen und umgekehrt. Außerdem gibt es diverse Hebelprodukte auf zehnjährige und dreißigjährige US-Staatsanleihen; im Internet ist eine Übersicht zu finden.

Wer mittelfristig auf sinkende Kurse bei US-Anleihen setzen will, ist mit Verkaufsoptionsscheinen (Puts) gut bedient. Gleichzeitig können Anleger in der Erwartung weiter fallender Zinsen im Euro-Raum Kaufoptionsscheine (Calls) auf den Bund-Future kaufen.

Dabei sollten sie aber bedenken, dass an den Rentenmärkten weiterhin starke Schwankungen erwartet werden (aktuell ist die so genannte Volatilität eher hoch); sinkt die Volatilität, geben auch die Optionsscheinpreise nach - das ist stets ein Risiko beim Kauf dieser Papiere.

Neben den klassischen Optionsscheinen hat HSBC Trinkaus & Burkhardt so genannte Turbo-Scheine auf den Bund-Future gebracht. Wenn der Bund-Future eine bestimmte festgelegte Grenze berührt oder durchstößt, werden diese Papiere allerdings wertlos (Knock- out-Schwelle); die Scheine werden am 5. September 2003 fällig.

"Knockout-Produkte sind in diesem Bereich sehr gefragt, da bereits mit geringem Einsatz sehr hohe Gewinne realisiert werden können. Das Risiko des Totalverlustes sollten Anleger aber nicht aus den Augen verlieren", mahnt Jörg Leichinger von der Stuttgarter Derivatebörse Euwax die Anleger zur Vorsicht.

Eine Innovation am deutschen Derivatemarkt sind die "Mini-Future-Zertifikate" ohne Laufzeitbegrenzung von ABN Amro. Mit ihnen können Investoren neben dem Bund-Future auch auf den T-Bond- Future (Future auf die dreißigjährige US-Staatsanleihe) sowie den T-Note-Future, die sich auf die zehnjährige US-Staatsanleihe bezieht, spekulieren. Mit der Bezeichnung "Mini" spielt die Bank auf den im Vergleich zum Future-Handel viel geringeren Kapitaleinsatz für die Papiere an. Mit dem Mini-Short-Zertifikat setzt man auf einen sinkenden Future; derzeit bietet sich ein Investment in die Papiere auf den US-Terminkontrakt an.

Wem Derivate zu riskant sind, kann folgende Bonds-Strategie fahren: Die Rentenstrategen Martin Hartmann von der Dresdner Bank und Peter Müller von Commerzbank Securities empfehlen aktuell, kurze und mittlere Laufzeiten (bis zu fünf Jahren) im Euro-Raum zu kaufen. Denn eine Zinslockerung der Europäischen Zentralbank - die beide bereits im Herbst für möglich halten -, dürfte den kurzen Laufzeiten Kursgewinne bescheren.

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