Nur geringer Hoffnungsschimmer bis zum Jahresende
Gewinne der Dax-Firmen sinken immer schneller

Experten erwarten, dass die Ergebnisse der im Börsenindex Dax notierten Unternehmen im dritten Quartal unter Druck bleiben werden. Nach den teilweise drastischen Ergebniseinbrüchen im ersten Halbjahr müssten die Konzerne auch für die laufenden drei Monate mit Gewinnrückgängen im zweistelligen Prozentbereich rechnen, prognostizieren Analysten.

FRANKFURT/M. Deutschland folge der US-Konjunktur mit einem Abstand von rund vier Monaten, hieß es zur Begründung. Allerdings erwarten die Experten ein geringeres Minus als in den ersten beiden Quartalen.

Nach Berechnungen des Handelsblatts sind die Ergebnisse der DAX-30-Unternehmen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32 % eingebrochen. Im ersten Quartal hatte das Minus 23 % betragen. Damit hat sich der Druck auf die Konzernergebnisse verstärkt. "Die Zahlen folgen dem internationalen Trend und liegen im Rahmen unserer Erwartungen", kommentierte Kai Franke, Leiter des Investment-Research der BHF Bank, die Daten.

Zwar gehen die Experten davon aus, dass die Ergebnisse auch im laufenden Quartal weiter sinken werden. "So hoch wie in den ersten beiden Quartalen wird der Rückgang aber nicht mehr sein", erklärte Robert Halver von Delbrück Asset Management. So rechnet BHF-Analyst Franke zum Beispiel für das Gesamtjahr noch mit einem kleinen Plus bei den Ergebnissen der Dax-30-Unternehmen. Damit liegt er im Trend der Analysten, die zurzeit im Durchschnitt mit einem Ergebniszuwachs von rund 2 % kalkulieren.

Kaum positive Signale

Freilich gibt es auch einzelne positive Signale: So erhalten die Konzerne ein wenig Entlastung von Seiten des Ölpreises. Franke kalkuliert zurzeit mit einem Preis je Barrel (159 Liter) von 25 bis 26 $. Dagegen hatte der Rohstoff mit 37 $ im dritten Quartal des Vorjahres seinen Rekordwert erreicht. "Die Vergleichbasis ist also wesentlich höher", so Franke. Auch generell profitieren die Ergebniszahlen von einem Basiseffekt. So begann der Abschwung im Technologiesektor im dritten Quartal 2000. Damit wird die Vergleichbasis für die Ergebnisse der Dax-Unternehmen niedriger.

Franke führt noch einen weiteren Grund an, der für ein etwas besseres Bild am Jahresende sorgen soll. Große Finanzkonzerne wie etwa Allianz hätten angekündigt, ein Ergebnisplus von immerhin noch rund 13 % zum Jahresende zu erzielen. "Das werden sie auch erreichen, denn gerade Finanzunternehmen haben die Möglichkeit, dies entsprechend gestalten", glaubt Franke. Das gelte ebenso für andere Finanzkonzerne. Angesichts des Gewichts dieser Titel im Dax dürfe dies allein das Gesamtbild am Jahresende etwas aufhellen, so Franke.

Warnung vor verfrühtem Optimismus

Gleichwohl warnen die Experten vor verfrühtem Optimismus. "Der Maschinenbau wird zum Beispiel gerade erst von der Schwäche erfasst", sagte HSBC-Analyst Volker Borghoff. Und sein Kollege Halver von Delbrück fürchtet vor allem von Seiten der Automobilkonzerne und der Chemieunternehmen weitere negative Nachrichten. "Das sind die Zykliker und die werden noch einen auf den Deckel bekommen", prognostizierte Halver.

Dagegen haben die Chemie- und Autokonzerne das erste Halbjahr relativ gut überstanden. BMW zählte mit einem Sprung beim Ergebnis je Aktie von 198 % sogar zu den Siegern, neben Metro mit einem Plus von 200 %. Gebeutelt waren dagegen die Banken. So sackte das Ergebnis je Aktie bei der Deutschen Bank um 36 % in den Keller, bei der Commerzbank waren es sogar 77 %.

Sorgen bereiten den Analysten auch die nach wie vor hohen Erwartungen für nächstes Jahr. Zurzeit rechnen sie bei den Dax-30-Unternehmen mit einem Gewinnplus von immerhin 17 % im kommenden Jahr. "Dieser Wert ist zu hoch. Wir gehen eher von einem Wachstum von 10 % aus", erklärte Franke.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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