Nur gezielte Strategien verhindern große Kursverluste
Vermögensverwalter blicken auf Schreckensjahr

Die Krise an den Aktienmärkten hat auch bei den Vermögensverwaltern ihre Spuren hinterlassen. Nach der neuesten Liste der Ranking-Agentur First Five haben selbst die Besten ihrer Klasse das Jahr bis zum 31. Oktober mit einem Minus abgeschlossen.

HB FRANKFURT/M. Dabei konnte auch ein hoher Anteil festverzinslicher Anleihen nichts am negativen Ergebnis ändern. Wer auf Aktien gesetzt hat, ist mit konservativen Titeln wie Konsumgüter oder Versorger am besten gefahren. Entsprechend hoch war der Anteil dieser Papiere bei den Top-Performern.

Geringer Verlust ist herausragendes Ergebnis

So auch beim Sieger unter den dynamischen Depots mit einem Aktienanteil von 80 bis 100 %, dem ING BHF Trust. Der musste lediglich Einbußen von 9,03 % hinnehmen, was bei einem Verlust des Dax von 38 % seit Jahresanfang und einem Minus von 30 % beim Euro-Stoxx 50 ein herausragendes Ergebnis darstellt, zumal der ING BHF Trust mit diesem Depot lediglich in Westeuropa engagiert war und den nordamerikanischen und auch den asiatischen Aktienmarkt komplett außer Acht ließ. "Unser Ausgangspunkt war die Suche nach Qualität gepaart mit einem Value-Ansatz", sagt Karl-Heinrich Mengel. Dabei habe man sich weniger an Indizes orientiert, sondern nach Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite gesucht. Schwerpunkte waren Konsumgüter (Anteil 24,21 %), Versorger (16,62 %) und Energie/Rohstoffe (14,95 %). Mengel gibt aber auch zu, dass dieser Ansatz lediglich für schlechte Börsenzeiten geeignet sei. Als es beispielsweise 1999 mit den Börsen sprunghaft nach oben ging, gelang diesem Depot eine schlechtere Performance als dem Dax.

Ähnlich ging man bei der Nummer zwei der Top Performer unter den dynamischen Depots an dieses schwierige Börsenumfeld heran. Rein westeuropäisch ausgerichtet ließ das Münchener Bankhaus Delbrück & Co. ebenfalls die Benchmark außer Acht. "Wir haben den westeuropäischen Markt als attraktiv eingeschätzt" sagt Thomas Riecken. Mit zwei Varianten schaffte es das Bankhaus, deutlich besser als die Indizes zu liegen. Zum einen setzten die Experten auf Discount-Zertifikate, zum anderen wurde von ihnen vor allem Stockpicking in der zweiten Reihe betrieben. Das Risiko vieler Midcaps sei geringer. Zumal sich gerade für die deutschen Werte aus der zweiten Reihe die Sondersituation ergebe, dass etliche als Übernahmekandidaten gelten. Beispiele im laufenden Jahr waren bereits Kamps oder Edscha. Weitere Kandidaten könnten folgen, was Phantasie in deren Aktien bringen könnte. Auf der Branchenseite haben die Experten den Bereich Chemie/ Pharma/ Gesundheit (Anteil 16,73 %) stark gewichtet vor dem Finanzsektor (15,75 %) und Technologie (6,84 %).

UBS Privat Banking Deutschland ist dynamisch

Globaler ist das Depot von UBS Privat Banking Deutschland aufgestellt, der Nummer drei in der Kategorie "dynamisch". Zwar dominiert auch hier der westeuropäische Aktienanteil (40,58 %). Doch auch Nordamerika (10,91 %), Asien (3,55 %) und der Rest der Welt (3,56 %) findet Berücksichtigung.

Nur unwesentlich besser als die dynamischen Depots schnitt bei First Five die so genannte "balanced"-Kategorie ab, deren Aktienanteil zwischen 40 und 60 % liegt. Die Wiener KS Asset Management liegt hier auf Platz eins. Im Gegensatz zu ING BHF Trust investieren sie ähnlich viel in US-Aktien wie in europäische Werte. "In Europa gibt es günstige Aktien im Dax, billig sind sie aber nicht",sagt Rene Canal. Große Chancen bieten diverse Branchen im US-Markt. Wichtig ist für ihn, keine buy and hold-Strategie zu fahren, sondern das Portfolio wöchentlich umzuschichten. Dabei bedient sich KS auch Hedge-Instrumenten. Der strikte Einsatz von Unterstützungslinien habe Verluste verhindert.

Hedge-Instrumente kommen bei Flossbach & von Storch nicht zum Einsatz. Viel eher konzentriert man sich auf einen strikten Bottom- up-Ansatz. Zwei Kriterien sind für Gerald Kichler dabei entscheidend: Erstens seien Unternehmen mit hoher Verschuldung zu meiden, zweitens stellt sich stets die Frage nach der Stabilität der Gesellschaft. Zu Gute kam Flossbach, dass er sich bereits im letzten Winter von großen Beständen an Tech-Werten getrennt hat. Bei Versicherungstiteln habe man diese Entwicklung leider versäumt. "Sonst hätten uns in puncto Performance noch besser abgeschnitten", glaubt Kichler.

Quelle: Handelsblatt

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