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Nur heiße Luft

Die Fastenzeit ist beendet. Doch die politischen Schwergewichte haushalten immer noch nach dem Winterfahrplan. Edmund Stoiber wenigstens hat den Ausbruch aus der Trostlosigkeit gewagt. Rechtzeitig zum Osterfest wollte er seinen Wahlkampfstrategen das Nest mit einer Überraschung bereiten.

Mit heftigen Attacken gegen IG-Metallchef Zwickel und den Kontrahenten Schröder sollten denen die Feiertage verdorben und ein neues Kapitel in Sachen Wahlkampf aufgeschlagen werden. Hintergrund: Der Metaller hatte offen erklärt, in Stoiber keine wirkliche Alternative zum Kanzler zu sehen. Der Unionskandidat fühlte sich daraufhin zu dem Vorwurf verpflichtet, Schröder habe die soziale Balance in Deutschland zerstört. Das eigene Verhältnis zu den Gewerkschaften sei gut. Die Arbeitnehmervertreter allerdings, so ließ er seinen Landeschef Glos sprechen, sollten sich gefälligst aus dem Wahlkampf heraus halten.

Heraushalten aus was, bitte schön? Von Kampf kann keine Rede sein, und die inhaltliche Auseinandersetzung schmort ohnehin auf kleiner Flamme vor sich hin. Mehr als ein vorgezogenes Sommerloch kann Stoibers Oster-Geplänkel also kaum füllen. Denn dass die Gewerkschaften den Sozialdemokraten traditionell näher stehen als anderen Parteien, ist ebenso bekannt wie der Bonus, den die Union bei den Arbeitgebern genießt. Und dass die Widersacher auf der Jagd nach Macht immer häufiger versuchen, im Revier des anderen zu wildern, verursacht beim Wähler auch kein Erstaunen.

Die wissen schließlich, dass Kanzler und Kandidat immer noch auf der Suche nach einer sogenannten Mitte sind. Fraglich, ob die sich mit politischer Mittelmäßigkeit einfangen lässt. Die Austauschbarkeit schreitet voran und überzieht als eine Art schröderalen Stoiberismus? das Land. Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl ist das ein Armutszeugnis.

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