Nur Hoeneß zeigt echte "Führungsqualität"
Kahn attackiert Beckenbauer und Rummenigge

Die Krise verschärft sich, die Misstöne auch: Mit deutlicher Kritik an Präsident Franz Beckenbauer und Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat Kapitän Oliver Kahn einen Tag nach der 0:2- Pleite in Bremen eine neue Streitfront beim FC Bayern München aufgebrochen. Verteidiger Thomas Linke enthüllte am Montag außerdem, dass innerhalb der Mannschaft ein offener Richtungsstreit über eine einheitliche Fußball-Philosophie ausgebrochen ist und auf dem Platz ein Chef fehlt.

HB/dpa MÜNCHEN. Demonstrative Rückendeckung seitens der Spieler gab es dagegen vor dem Heimspiel im DFB-Pokal am Mittwoch gegen Hannover 96 für den angeschlagenen Trainer. "Wir wollen mit Ottmar Hitzfeld deutscher Meister werden. Wir sind überzeugt, mit diesem Trainer Meisterschaft und DFB-Pokal nach München zu holen", sagte Kahn.

Mit demonstrativem Lob für das Krisenmanagement von Manager Uli Hoeneß feuerte der Torhüter seine Breitseite gegen Beckenbauer und Rummenigge ab, die nach dem K.o. in der Champions-League öffentlich von "Schande" und einer "leblosen Mannschaft" gesprochen hatten. "So, wie der Uli das macht, ist das absolut vorbildlich. Er sagt einem die Dinge unter vier Augen ins Gesicht. Er kommt zu uns und redet nicht über die Medien mit uns. So ist das okay, so akzeptieren die Spieler das. Das macht Führungsqualität aus, das ist fruchtbar", sagte Kahn.

Hoeneß war auch am Montag in der Kabine anwesend, als der noch mehr unter Druck geratene Hitzfeld eine Stunde lang mit den Spielern die neuerliche sportliche Bachlandung in Bremen analysierte. Zum Auftakt der "Woche der Wahrheit" mit den Heimspielen gegen Hannover sowie dem Bundesliga-Gipfel am Samstag gegen Borussia Dortmund setzte Hoeneß sein öffentliches Schweigen dagegen fort. "Ich habe nichts zu sagen", beschied er die Journalisten, als er die Umkleidekabine nach der Krisensitzung durch einen Nebenausgang verließ.

Kahn dagegen sprach ausführlich Klartext und machte Beckenbauer und Rummenigge mit ihrer Forderung nach schönerem Fußball mit für die aktuelle Krise verantwortlich. "Vor der Saison wurde eine andere Philosophie ausgegeben: Wir sollten unterhalten und Zauberfußball spielen. Das ist nicht der richtige Weg", sagte Kahn. Der Erfolg des FC Bayern habe sich in den vergangenen Jahren in erster Linie auf eine effiziente Spielweise mit einer kompakten Abwehr begründet, aus der in der Offensive eiskalt zugeschlagen wurde. "Wir müssen zu dem zurück, was uns stark gemacht hat", forderte der Torhüter.

Diese taktische Kehrtwende scheint allerdings auch innerhalb der Mannschaft sehr umstritten zu sein. "Wir haben unterschiedliche Philosophien von Fußball", verriet Linke. Hitzfeld scheint diesen Konflikt nicht mit einem Matchwort beenden zu können, zumal ihm auf dem Platz ein Nachfolger für Stefan Effenberg fehlt, der als Chef die taktischen Vorgaben des Trainers konsequent in die Praxis umsetzte. "Sobald das Spiel läuft, kann ein Trainer von außen kaum noch Einfluss nehmen", bemerkte Linke. Hitzfelds Autorität sei bei den Profis jedoch nicht in Frage gestellt, betonte der Vize-Weltmeister: "Der Draht zum Trainer ist sicherlich nicht gestört."

In Bremen gelang es Hirtzfeld jedoch nicht, die verunsicherte Mannschaft in die Erfolgsspur zurückzuführen. Sogar Erfolgsgarant Kahn patzte bei den Gegentoren von Markus Daun (18.) und Mladen Krstajic (81.). Am Tag danach gestand der Torhüter selbstkritisch ein, dass er elf Tage nach seinem Muskelfaserriss noch nicht wieder hundertprozentig fit war. "Ich habe es versucht. Ich war überzeugt, ich kann der Mannschaft helfen", sagte Kahn. Zur aktuellen Krisen- Bewältigung schlug er vor, sich ausgerechnet Erzrivale Dortmund zum Vorbild zu nehmen: "Die sind im vergangenen Jahr auch in der Vorrunde der Champions League ausgeschieden. Hinterher sind sie deutscher Meister geworden und waren die Super-Mannschaft überhaupt. Das können wir auch erreichen."

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