Nur jedes zweite Gerät arbeitet effizient
Bankautomaten können mehr als Geld ausgeben

Als Zauberformel für eine höhere Effizienz von Geldautomaten gelten Funktionen wie Ticket- oder Briefmarkenverkauf. Sie sollen den Umsatz der Geräte steigern. Bei der Citybank können Kunden nun auch ihre Handy-Karten aufladen. Sparpotenzial gibt es auch bei der Bargeldbestückung der Geräte.

DÜSSELDORF. Die Bankenkrise in Deutschland schärft den Blick für die Kosten. Ins Visier der Controller rücken neben der technischen Weiterentwicklung der Geldautomaten auch die Ausgaben für die Geräte. Und das ist kein Wunder, schließlich belaufen sich die jährlichen Kosten für die rund 47 000 Geräte in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro. "Nur jeder zweite Automat arbeitet effizient", sagt Olaf Scheer, Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Zeb.

Zwei Haupthebel sieht der Berater, mit denen Banken die Kosten für die Automaten drücken könnten: die Verringerung der Gerätezahl und die damit verbundene Netzoptimierung sowie die Bargeldhaltung in den Geräten, den Prozess der Bargeldver- und entsorgung. Für das in Automaten vorgehaltene Bargeld müssen die Banken allein für entgangene Zinsen mehr als 150 Mill. Euro pro Jahr ansetzen, so der Unternehmensberater.

Die Automatenhersteller reagieren: Es gebe mittlerweile Softwarewerkzeuge für die Optimierung der Geld- und Anlagebestände, sagt Uwe Krause, Marketingdirektor bei dem Automatenhersteller Wincor Nixdorf. So lasse sich die Bestückung und Vorratshaltung der Geldautomaten besser steuern. Die Profitabilität von Geldautomaten kann nach Ansicht von Krause vor allem durch eine Steigerung des Umsatzes je Gerät erfolgen. Helfen könnten dabei Zusatzfunktionen. Wie, das zeigt ein Blick ins Ausland: In Skandinavien können Bankkunden heute schon ihre Handy-Karten an Geldautomaten aufladen.

Auf der Cebit kündigte die Citybank als erste Bank in Deutschland nun an, diesen Service gemeinsam mit der Telefongesellschaft Vodafone einzuführen. Der Startschuss soll bis Ende April erfolgen. Das Aufladen funktioniert ähnlich wie das Geldabholen am Automaten: Der Kunde führt seine EC-Karte ein. Nach Eingabe der Geheimnummer gelangt der Kunde in ein Menü, über das er neben der Möglichkeit zur Bargeldauszahlung die Aufladung seiner Prepaid-Karte auswählen kann.

"Technisch ist noch mehr möglich", sagt Krause. So können Bankkunden in Spanien Tickets am Geldautomaten kaufen, ob für Stierkampf oder Fußball. In Frankreich spucken viele Geldautomaten schon Briefmarken aus. Ein brachliegendes Potenzial bei den Geldautomaten diagnostiziert auch Unternehmensberater Scheer: "Die Wartezeiten der Kunden bis zur Geldauszahlung könnten für individuelle Werbebotschaften genutzt werden."

Dies wird künftig immer wichtiger. Schließlich schwinden die Gelegenheiten für ein Verkaufsgespräch mit dem Kunden. Schon heute entfallen bis zu 80 % aller Kundenkontakte auf die Nutzung eines Automaten, mit steigender Tendenz. Nachholbedarf sieht Krause auch bei der Aufstellung von Geldautomaten außerhalb von Banken, beispielsweise bei der Aufstellung von Geräten in Hotels. Hier hinke Deutschland deutlich hinterher. Als Pionierländer sieht der Geldautomatenkenner hier Länder wie die USA und Japan, aber auch China und Malaysia.

Potenzial gibt es auch noch bei der Weiterentwicklung der Kernkompetenz der Automaten - dem Geldhandling. Bisher spucken die Geräte in Deutschland lediglich Banknoten aus. Künftig werden sie auch Geld schlucken, da ist sich Scheer sicher: "Cash-Recycler haben Zukunft." Für die Kunden wird die Einzahlung von Geld rund um die Uhr möglich, und die Kreditinstitute können beim Personal sparen. In der Schweiz sind solche Geldannahme-Automaten bereits seit vier Jahren in Betrieb - vor allem in Fußgängerzonen und Shopping-Centern. Nur ein Problem haben diese der Automaten noch: Ein- und Auszahlungen müssen etwa gleich groß sein, sonst muss nachgefüllt oder geleert werden.

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