Nur Kanther und Wittgenstein haben davon gewusst
Hessische Schwarzgeld-Konten wegen Flick-Affäre angelegt

"Ich wollte nicht, dass die Gelder in die Affäre hineingeraten" sagte Kanther vor dem Untersuchungsausschuss zur Finanzaffäre der Hessen-CDU aus. Außerdem habe nur er und Sayn-Wittgenstein von der Transaktion gewusst.

afp WIESBADEN. Der frühere Vorsitzende der hessischen CDU, Manfred Kanther, hat bestätigt, dass die Anfang der achtziger Jahre ins Ausland transferierten Millionenbeträge wegen der damaligen Flick-Affäre beiseite geschafft worden seien. "Ich wollte nicht, dass die Gelder in die Affäre hineingeraten", sagte Kanther am Donnerstag bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss des Wiesbadener Landtags zur Finanzaffäre der Hessen-CDU. Die Flick-Affäre habe eine große Rolle gespielt. Es habe damals viele öffentliche Vorverurteilungen gegeben. "Das war der entscheidende Grund für den Vermögenstransfer", den er und der damalige Schatzmeister Prinz Casimir zu Sayn-Wittgenstein zu verantworten hätten. Zulgeich bekräftigte Kanter, dass weder der frühere Ministerpräsident Walter Wallmann noch der derzeitige Regierungschef Roland Koch (beide CDU) über die schwarzen Konten in der Schweiz informiert gewesen seien.

20,8 Millionen DM sollen Partei-Spenden sein

Kanther schloss nicht aus, dass es sich bei den insgesamt 20,8 Mill. DM, die damals auf ein schwarzes Konto ins Ausland transferiert und später als jüdische Vermächtnisse getarnt zurückgeholt wurden, zu einem großen Teil um Spenden gehandelt habe. Es habe sich aber nicht um Geld aus der Auflösung der so genannten Staatsbürgerlichen Vereinigung gehandelt, einer großangelegten Geldwaschanlage aus der Zeit der Flick-Affäre.

Der frühere Bundesinnenminister betonte, bei den Transaktionen habe niemand zu seinem eigenen Vorteil gehandelt. Alle Gelder seien ausschließlich der CDU Hessen zugekommen. Bei dem Millionen-Transfer sei es ihm ausschließlich um den Schutz der CDU-Spender gegangen. Aus Loyalität ihnen und der Partei gegenüber habe er verhindern wollen, "dass Namen genannt würden und Spender öffentlich durch den Kakao gezogen". Gegen Kanther ermittelt die Wiesbadener Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Affäre wegen des Verdachts der Untreue.

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