Nur kleines Produktionsplus im zweiten Quartal
Aufwärtstrend in der Chemie schwächt sich deutlich ab

"Der Konjunkturmotor läuft nur mit angezogener Handbremse", schreibt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in seinem gestern veröffentlichten Bericht zum ersten Halbjahr. Nachdem die Branche zu Jahresbeginn die Talfahrt beendet hat, habe sich der Aufwärtstrend von Anfang April bis Ende Juni deutlich abgeschwächt.

bef DÜSSELDORF. Nach Angaben des VCI stieg die Chemieproduktion im Vergleich mit dem schwachen ersten Quartal nur um 0,5 %. Wegen deutlich gestiegener Preise gelang der Branche aber ein Umsatzplus von 2,7 % auf 34,1 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der VCI aber weiterhin eine moderate Erholung der Konjunktur und rechnet im Vergleich zu 2001 mit einem leichten Produktionsplus von 2 % und einer Stagnation des Umsatzes. Der lag im vorigen Jahr bei knapp 134 Mrd. Euro.

Die Chemieindustrie ist eine der größten Industrien Deutschlands und zugleich ein wichtiger Indikator für die gesamtwirtschaftliche Lage. Chemiefirmen produzieren Vorprodukte wie Kunststoffe oder Pigmente sowie Chemikalien für den Produktionsprozess in der verarbeitenden Industrie. Sie bekommen Konjunkturschwankungen daher früh zu spüren.

Die gesamte Branche ist derzeit nach Einschätzung des VCI in einer "gespannten Aufbruchstimmung": Zwar hat sich die Stimmung bei Konzernen wie BASF oder Degussa und vielen mittelständischen Firmen seit April von Monat zu Monat verbessert. Allerdings lag die vergleichbar gute Auftragslage überwiegend am Auffüllen der Läger bei den Kunden, die sich in Erwartung eines Aufschwungs und entsprechenden Preiserhöhungen mit Chemikalien eindeckten. Auf eine nachhaltige Ausdehnung der Nachfrage warte die Chemie weiterhin.

Nervös blickt die Chemiebranche auf einen möglichen Krieg im Irak, denn der würde den Ölpreis weiter nach oben treiben. Bereits in den vorigen Wochen ist der Ölpreis zeitweise auf mehr als 30 $ pro Barrel (159 Liter) gestiegen. Öl ist nicht nur Energielieferant für die Chemie, sondern auch der wichtigste Rohstoff etwa für die Kunststoffherstellung. Zwar können Chemiefirmen steigende Ölpreise über Verkaufspreise normalerweise relativ schnell an Kunden weitergeben. Doch seien starke Sprünge beim Ölpreis ein Problem für die Branche, erläutert Analyst Ludger Mues von der Bank Sal. Oppenheim, da dann die Gewinspannen kurzfristig unter Druck gerieten.

Mues schätzt die Konjunkturlage in der Chemie ähnlich wie der VCI ein: "Die Branche hat das Schlimmste hinter sich, aber die derzeitigen Signale sind sehr gemischt." Positive Zeichen kämen etwa aus einigen Ländern Asiens. Aber erst der entscheidende Monat September werde zeigen, ob es konjunkturell weiter nach oben geht.

Mut macht den Chemiefirmen vor allem der Export, der im Gegensatz zum Inlandsgeschäft den Quartalsumsatz im Vergleich mit dem Vorjahr leicht auf 17,7 Mrd. Euro gesteigert hat. Die größten Produktionszuwächse verzeichneten die Hersteller von Basischemikalien, Industriegasen, Kautschuk und Kunststoffen sowie Seifen und Waschmitteln. Rückläufig war die Produktion jedoch bei Fasern und Anstrichmitteln.

Quelle: Handelsblatt

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